Kircheneinrichtung verbrieft Rücksichtnahme auf Privatleben
Kircheneinrichtung verbrieft Rücksichtnahme auf Privatleben
Abkommen über familienfreundliche Personalpolitik geschlossen (Korrespondentenbericht)
Von Thomas Greif
Vor fünf Jahren beschwor die bayerische Landessynode die Förderung der Familie. Im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (kda) in Nürnberg wurde das Anliegen ernst genommen: Dort besteht inzwischen eine "Dienstvereinbarung über eine familienbewusste Personalpolitik".
Das Nürnberger Amt ist damit die erste Einrichtung in Landeskirche und Diakonie in Bayern, in der die Mitarbeitenden verbrieften Anspruch darauf haben, dass auf ihre besonderen familiären Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, sei es gegenüber Kindern oder gegenüber pflegebedürftigen Angehörigen.
"Die Kirche muss sich daran messen lassen, wie familienfreundlich sie selbst als Arbeitgeberin ist", findet Hanna Kaltenhäuser, Frauenreferentin und Gleichstellungsbeauftragte im kda. Nach ihrer Wahrnehmung klaffen Anspruch und Wirklichkeit vielfach weit auseinander. Die Mutter, die eine Viertelstunde eher gehen muss, um ihren Sohn vom Kindergarten abzuholen, der Vater, der gerne zusammen mit seiner schulpflichtigen Tochter Urlaub haben will: "Wir kennen Fälle, wo bei so was sofort Druck gemacht wird", sagt Kaltenhäuser. Stirnrunzeln bei kirchlichen Chefs könne es sogar geben, wenn ein stolzer Vater am Einschulungstag seines Kindes einen Urlaubstag einreiche.
Die Dienstvereinbarung, die von der Mitarbeitervertretung mit kda-Leiter Hans-Gerhard Koch abgeschlossen wurde, soll möglichst viele Nachahmer finden. Nun wäre "Unterstützung von oben" angesagt, findet Claudia Leisenheimer, wie Kaltenhäuser Referentin für Frauenarbeit im kda. Im Idealfall könne etwa das Münchner Landeskirchenamt die Vereinbarung in ähnlicher Form übernehmen und anderen kirchlichen Dienststellen empfehlen.
Erwachsen ist das Abkommen aus einer Fragebogenaktion unter den Mitarbeitenden. Ergebnisse: Die Mitarbeiter fühlen sich vielfach zwischen Beruf und Familie aufgerieben. Auf der Wunschliste ganz oben stehen flexiblere Arbeitszeiten, etwa durch Einführung von Jahresarbeitszeit. Bei einer Fachtagung am 28. Oktober soll das Thema "Kinder, Karriere, Kirche" mit Vertretern von Kirche und Diakonie diskutiert werden. Informationen im kda unter Telefon 0911/43 100 221.


