Köhler: Jüdisches Leben schlägt im Alltag wieder Wurzeln

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Köhler: Jüdisches Leben schlägt im Alltag wieder Wurzeln

Festakt zur Einweihung des neuen jüdischen Zentrums in München

Bei der feierlichen Einweihung der neuen Münchner Hauptsynagoge hat Bundespräsident Horst Köhler zu Zivilcourage und einem entschiedenen Eintreten aller Bürger gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit aufgerufen. Es sei die Verpflichtung jedes einzelnen, zu verhindern, "dass Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens beleidigt, verletzt oder gar ermordet werden", sagte der Bundespräsident. Projekte und Initiativen gegen Extremismus und Gewalt müssten langfristig unterstützt und nicht nur sporadisch gefördert werden.

Das neue Jüdische Zentrum, das Synagoge und Gemeindehaus umfasst, schließe nicht nur eine bauliche Lücke in der Münchner Innenstadt, sondern helfe mit, die geistige und kulturelle Lücke nach der Vertreibung und Ermordung der München Juden zu überbrücken, sagte Köhler. Jüdisches Leben schlage im Alltag Deutschlands immer tiefere Wurzeln. Dazu habe auch beigetragen, dass die jüdischen Gemeinden in den vergangenen Jahren wichtige Aufgaben für die Gesellschaft übernommen haben, wie etwa die Integration jüdischer Zuwanderer.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte, dass Juden in Deutschland eine große Bereicherung für das Land seien. Von dem neuen jüdischen Zentrum seien wertvolle Impulse für das "soziale und kulturelle Miteinander" zu erwarten. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hob hervor, dass mit dem neuen Zentrum in der Innenstadt das "Hinterhof-Dasein" des Münchner Judentums ein Ende habe.

Die mit dem Festakt eingeweihte Synagoge bildet den Mittelpunkt des neuen Jüdischen Zentrums in München, zu dem auch ein Gemeindehaus und ein Museum gehören. Die Kosten für die gesamte Anlage, die vom Freistaat Bayern, von Stadt und Israelitischer Kultusgemeinde München finanziert wurden, betragen über 70 Millionen Euro. Der Neubau ersetzt die 1938 von den Nationalsozialisten zerstörte Münchner Synagoge.

(Artikel vom 09.11.2006)