Kompetenzzentrum der Erinnerung
Kompetenzzentrum der Erinnerung
Neuer Pfarrer für die Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte Dachau (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Susanne Petersen
Für den evangelischen Pfarrer Björn Mensing ist die neue Arbeitsstelle an der Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte Dachau wie gemacht: Schon seine Magisterarbeit in Geschichte hat er 1986 über die bayerische Pfarrerschaft und die Entnazifizierung geschrieben. Seither hat den promovierten Historiker das Thema "Kirche und Nationalsozialismus" nicht mehr losgelassen. "Es war für mich immer eine wesentliche Frage, wie sich meine eigene Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus verhalten hat und wie sie nach dem Krieg damit umgegangen ist", sagt der 43-Jährige.
Auch in den neun Jahren als Studienleiter des Evangelischen Bildungswerks Bayreuth war das Thema ein Schwerpunkt - aber eben nur einer von vielen. In Dachau hat Mensing das Gefühl, angekommen zu sein: "Die Stelle und ich passen zusammen." Trotzdem sieht der neue Gedenkstätten-Pfarrer auch Fortbildungsbedarf für sich selbst. "Ich möchte noch eine stärkere Kompetenz in der Seelsorge für die Menschen entwickeln, die von der Geschichte des Konzentrationslagers und dem Erlebten auf der Gedenkstätte betroffen sind", sagt Mensing. Im nächsten Frühjahr wird er deshalb einen sechswöchigen Kurs in klinischer Seelsorge absolvieren.
Auf Björn Mensing wartet viel Arbeit, denn die Versöhnungskirche, die von der bayerischen Landeskirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) getragen wird, bietet ein breites Programm aus Gottesdiensten, Veranstaltungen und Ausstellungen. Vor allem die Führungen über das Gelände sind gefragt. Für Mensing, selbst Vater von drei Kindern, eine einmalige Chance, den oft jugendlichen Gruppen die deutsche Geschichte nahe zu bringen: "Ich habe es noch an keiner anderen Stelle erlebt, dass Jugendliche zweieinhalb Stunden so konzentriert bei der Sache sind", sagt er.
Einige neue Ideen hat Mensing auch mitgebracht. So sähe er die Versöhnungskirche gern als eine Art "Kompetenzzentrum für Gedenkkultur", die mit ihren Veranstaltungen auch Brücken baut, hinein in die Stadt Dachau. Beim evangelischen Kirchentag in Köln 2007, also 40 Jahre nach Einweihung der Versöhnungskirche, möchte er die Dachauer Arbeit präsentieren - und das Projekt des "Dachauer Gedächtnisbuches".
Seit 1999 erstellen dafür Laien Kurzbiografien über Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin überprüft die Entwürfe auf historische Richtigkeit. "Dadurch können viele Einzelschicksale festgehalten werden", so Mensing. Er könnte sich vorstellen, dass sich solche "Gedächtnisblätter" auch für andere KZ-Gedenkstätten lohnen würden.
Eine Sorge plagt Björn Mensing allerdings seit Amtsantritt: Die Stelle des Diakons Klaus Schultz, der seit acht Jahren an der Gedenkstätte wirkt, ist gefährdet. Da sie seit 1996 nicht mehr als ordentliche Stelle in den Personalplänen der bayerischen Landeskirche verzeichnet ist, soll sie nun um die Hälfte gekürzt werden. Die Stadtdekanin und Vorsitzende des Kuratoriums, Barbara Kittelberger will erreichen, dass sich die bayerische Landeskirche und die EKD "klar und eindeutig für den Erhalt von zwei Stellen" aussprechen. Der Umfang der Arbeit sei mit weniger Personal nicht zu leisten. In den letzten 15 Jahren sind allein die jährlichen Führungen über das KZ-Gelände, die von Mitarbeitern der Kirche angeboten werden, von 19 auf über 300 gestiegen.
Foto per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b051490.
Achtung: Ab sofort können Sie die Fotos direkt im Internet herunterladen unter !


