"Fitte Mitarbeiter - fitte Bilanzen"
"Fitte Mitarbeiter - fitte Bilanzen"
Gesundheitsmanagement in Unternehmen gewinnt an Bedeutung (Korrespondentenbericht)
Von Heinz Brockert
Nur wenigen Firmen ist bisher eine Gesundheitsvorsorge für die Mitarbeiter ein dringendes Anliegen. Diejenigen aber, die dafür Programme entwickeln und Angebote machen wie die Konzerne EADS und BASF, profitieren davon. "Fitte Mitarbeiter - fitte Bilanzen" - auf diese Kurzformel bringt die Unternehmensberatung GSD-GenevaServicesGroup (Genf/München), die am Donnerstag im Münchner Presseclub ein Diagnose- und Präventionsprogramm für Gesundheitsmanagement in Unternehmen vorstellte, diesen Trend.
Schon etliche Anbieter tummeln sich auf diesem kleinen, aber wachstumsverdächtigen Markt. Die GSD hat sich die Erfahrungen des Mediziners und Privatdozenten an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Joachim Fischer (Winterthur), gesichert, der über seine HealthVision Gmbh (ein "Spin-Off Unternehmen der ETH", wie er sagt) Gesundheitsaudits anbietet. Fischer dockt an Ergebnissen aus der Stress-Forschung an und konzentriert sich auf gesundheitliche Auswirkungen von Überforderung im Herz-Kreislauf-System und im seelischen Bereich wie Burn-out und Depressionen.
Chronischer Stress, so sagt er, mündet nicht nur in Erschöpfung, sondern lässt das Herz-Kreislauf-System schneller altern. "Wessen Herz nicht mehr schlägt, im übertragenen Sinn für sich oder für seine Arbeit, der ist - auch im übertragenen Sinn - nicht mehr lebendig." Was gut für Herz und Gemüt sei, sei auch gut für das Unternehmen, so seine weitere Folgerung. Rund 3.000 Personen, vor allem aus dem Flugzeugbau und Dienstleistungssektor, hätten inzwischen an seinen Gesundheitsratings teilgenommen, deren Ergebnisse der Teilnehmer selbst "im verschlossenen Umschlag", wie Fischer betont, und die Firmen anonymisiert bekommen.
Die Ergebnisse seien eindeutig: Wer wenig Wertschätzung, Anerkennung und Entwicklungschancen im Betrieb erfährt und dazu noch persönliche Risiken wie ungesunde Lebensführung aufweist, zieht die eigene Bilanz und die der Firma nach unten. Viele Mitarbeiter, die früh aus dem Arbeitsleben ausscheiden, könnten bleiben, wenn man ihnen neue Motivation verschaffen würde, sie ihren Lebensstil änderten und sie im Betrieb (unter Umständen) andere Aufgaben übernehmen könnten. Das alles setze aber einen Mitarbeiter-orientierten Führungsstil auf der Leitungsebene voraus. Der müsse und könne trainiert werden.
Die Ergebnisse des Gesundheitsaudit könnten eine Art Umkehrpunkt für den Mitarbeiter und den Betrieb sein, betonte Fischer. "Wir haben gesehen, dass Teilnehmer nach einer so kompetenten Rückmeldung wie sie sie von ihrem Arzt selten erhalten, viel ermutigter sind, ihr Verhalten entsprechend der Notwendigkeiten zu ändern."


