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Geschwister-Scholl-Preis posthum für Mihail Sebastian

Der mit 10.000 Euro dotierte Geschwister-Scholl-Preis ist am Montagabend in München posthum an den rumänischen Autor Mihail Sebastian (1907 - 1945) verliehen worden. Die Auszeichnung ist seinen in der NS-Zeit geschriebenen Tagebüchern "Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt" gewidmet, die Edward Kanterian herausgegeben hat. Sei seien ein Plädoyer gegen Antisemitismus und Terrorismus, erklärten der Landesverband Bayern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und die Stadt München.

In seiner Laudatio würdigte Peter Hamm den rumänischen Autor als einen Chronisten der Katastrophe. Er habe nicht nur die antijüdischen Maßnahmen des Staates, sondern ebenso die Reaktionen und auch die ausbleibenden Reaktionen der nichtjüdischen Bevölkerung und seiner nichtjüdischen Freunde registriert.

Die bewegenden Tagebücher spiegelten exemplarisch das Drama des rasanten Verfalls demokratischer Strukturen und zivilisierter Sitten wider, hieß es zur Begründung. Sebastian, der jüdischer Abstammung war, habe nicht nur über Verfolgung und soziale Not, sondern auch über zunehmende intellektuelle Vereinsamung und menschliche Enttäuschung geschrieben. Für heutige Leser bildeten seine Aufzeichnungen auch ein Kriegstagebuch und eine Chronik des alltäglichen Schreckens, in der nationalsozialistische Verfolgung und rumänische Kollaboration zusammengewirkt hätten.

Der Landesverbandsvorsitzende Wolf Dieter Eggert sagte bei der Preisverleihung, die Tagebücher Sebastians könnten dem Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse geben. Ihr Autor habe es wie die Geschwister Scholl gewagt, inmitten der Unmenschlichkeit Mensch zu bleiben und Zivilcourage zu beweisen. "Dieses Ideal der Humanität kann heute Vorbild sein", so Eggert.

Als Herausgeber der Tagebücher verwies Edward Kanterian in seiner Dankesrede darauf, Sebastians Werk habe wesentlich dazu beigetragen, dass in Rumänien über die rumänischen Verbrechen vor 1945 gesprochen werden könne. Die Verwicklung Rumäniens in den Holocaust sei inzwischen auf höchster politischer Ebene zugegeben worden. Auch gebe es einen nationalen Holocaustgedenktag.

Der Literaturpreis wird seit 1980 vergeben für Werke, die von geistiger Unabhängigkeit zeugen, bürgerliche Freiheit, moralischen Mut sowie Gegenwartsbewusstsein fördern. Er erinnert an die Studenten Hans und Sophie Scholl, die während des Nationalsozialismus als Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" in der Münchner Universität Flugblätter ausgelegt hatten und dafür am 22. Februar 1943 hingerichtet wurden. Zu den bisherigen Preisträger zählen neben anderen Soazig Aaron, Saul Friedländer, Peter Gay, Georges-Arthur Goldschmidt, Jürgen Habermas, Raul Hilberg, Rolf Hochhuth, Victor Klemperer, Necla Kelek, Lea Rosh, Grete Weil und Christa Wolf.

Internet: www.buchhandel-bayern.de/geschwister-scholl-preis.de.

(Artikel vom 20.11.2006)