Hoffen auf Wunder in der Ausländerpolitik

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Hoffen auf Wunder in der Ausländerpolitik

Orthoxe, katholische und evangelische Christen treffen sich zum Bittgang (Korrespondentenbericht)

Von Heinz Brockert

"Das Wichtige ist, dass Vertreter verschiedener Kirchen sich sichtbar und offiziell an die Seite von Flüchtlingen stellen und ihnen und der Öffentlichkeit zeigen: `Wir lassen nicht zu, dass man Euch ausgrenzt'". Die evangelische Pfarrerin Sabine Böhlau, Mitarbeiterin des Bayerischen Flüchtlingsrates und des Beratungs- und Therapiezentrums für Flüchtlinge und Folteropfer "Refugio" in München zeigte sich am Mittwoch auf einer Pressekonferenz "hoch erfreut", dass die Idee eines Ökumenischen Bittgangs für äthiopische Flüchtlinge am Internationalen Tag der Menschenrechte (Samstag, 10. Dezember) so starke Resonanz gefunden hat.

Man erwarte etwa 150 Teilnehmer, die am Samstag um 9 Uhr von der evangelischen Bischofskirche St. Matthäus in München aufbrechen, zwei Gebets-Stopps bei der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde und der katholischen Mariahilfkirche im Stadtteil Au machen, und dann mit der S-Bahn und zu Fuß zum Benediktinerkloster Andechs am Ammersee pilgern werden. Dessen Abt Johannes Eckert stehe den Anliegen der Pilger positiv gegenüber und werde die äthiopischen und deutschen Christen durch seinen Pater Valentin begrüßen lassen und danach beköstigen, so Böhlau.

Hinter einem äthiopisch-orthodoxen Prozessionskreuz werden die Pilger schreiten. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche ist eine der ältesten der Welt und hat viele religiöse Traditionen bewahrt. Auf dem Pilgerweg werden die Äthiopier aus ihrer alten Liturgie ein sogenanntes "Gebet der Not" singen. "Im katholischen Bayern heißt es doch: Wenn man ein Wunder braucht, macht man eine Wallfahrt", so Böhlau. Und ein Wunder sei bereits, dass sich Orthodoxe, Katholische und Evangelische zu einem gemeinsamen Pilgerzug finden. Der katholische Münchner Domvikar Engelbert Dirnberger und die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger werden den Pilger- und Demonstrationszug in München begleiten. Andere evangelische und katholische Pfarrer und der Pfarrer der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde Mesfin Felike nehmen am gesamten Bittgang teil.

Und jetzt hoffen Sabine Böhlau, der evangelische Pfarrer Hans M. Schroeder von der Versöhnungskirche in München-Harthof, einem Stadtteil mit besonders hohem Ausländeranteil, und Bettina Matz, die Referentin für Ausländerarbeit des evangelischen Dekanats München, als Haupt-Initiatoren des Bittgangs, dass ein weiteres Wunder zugunsten ihrer Schützlinge geschieht. "Verzweifelt" sei die Situation vieler Flüchtlinge aus Äthiopien in Bayern. "Sie haben seit langem Arbeit und Wohnung, zahlen Sozialbeiträge und sind gut integriert, und für viele von ihnen ist seit einigen Monaten Schluss damit", klagte Böhlau. Sie dürfen nicht mehr arbeiten und erhalten stattdessen einen kleinen Sozialhilfe-Betrag. Damit solle Druck auf sie ausgeübt werden, Deutschland zu verlassen.

"Man soll die Hoffnung nicht aufgeben", sagte Tirfe Beneberu, einer der Betroffenen, der seit zwölf Jahren in der Münchner Region lebt. "Was wir uns wünschen ist, wie bisher zu arbeiten und Steuern zu zahlen und nicht umgekehrt von den Steuergeldzahlern zu leben." Der Bittgang geht auch am Landratsamt München nahe der Mariahilfkirche vorbei, das nach Aussagen von Pfarrerin Böhlau das Ausländergesetz "besonders eng auslegt".

(Artikel vom 08.12.2005)