Lichter des Glaubens in dunklen Zeiten

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Lichter des Glaubens in dunklen Zeiten

Ausstellung über Chanukka und Weihnachten in Marktbreiter Malerwinkelhaus (mit Bild)

Von Beate Krämer

Ein kleiner, unscheinbarer Leuchter mit Wachsresten vom letzten Gebrauch gehört zu den bewegendsten Stücken, die vom Freitag, 11. November, an im Malerwinkelhaus von Marktbreit (Unterfranken) zu sehen sind. Der Chanukka-Leuchter stammt von Jehuda Amichai (1924 - 2000), dem bedeutendsten modernen Dichter Israels.

Neben Exponaten zum jüdischen Chanukkafest stellt das Museum des Main-Städtchens unter dem Titel "Licht, das uns leuchtet" bis zum 15. Januar 2006 christliche Bräuche zur Advents- und Weihnachtszeit vor. Die Schirmherrschaft haben der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, der evangelische Regionalbischof Helmut Völkel und Josef Schuster, Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken sowie Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, übernommen.

Nicht nur in christlichen Häusern leuchten in der dunklen Jahreszeit Lichter. Auch die Juden begehen im Monat Kislew das achttägige Lichterfest Chanukka. Das hebräische Wort steht für Weihe oder Einweihung und erinnert an den Sieg des Judas Makkabäus über die Syrer und die Wiedereinweihung des entweihten Tempels von Jerusalem im Jahr 165 vor unserer Zeitrechnung. Der Legende nach fand man im Tempel nur ein einziges Gefäß mit geweihtem Öl für den siebenarmigen Leuchter (Menora), das normalerweise nur für einen Tag Brenndauer gedacht war. Doch die kleine Menge ließ den Leuchter genau jene acht Tage lang brennen, die zur Herstellung neuen rituellen Öls erforderlich war.

Zum Beginn des Chanukka-Festes, der heuer auf den Abend des 25. Dezember fällt, wird zuerst die Dienstkerze (Schamasch), dann das erste Licht am rechten äußeren Rand des achtarmigen Chanukka-Leuchters entzündet. Jeden Abend folgt ein weiteres Licht, bis alle acht Kerzen brennen. Der Leuchter wird ins Fenster gestellt.

Für den christlichen Teil konnte der Arbeitskreis auf vergangene Ausstellungen zurückgreifen. Besonders ungewöhnlich und selten ist der Adventsbaum von Sammlerin Gudrun Wirths. Auf einem grünen Holzskelett mit Stamm und kreuzförmig übereinander angeordneten Ästen wird jeden Tag eine neue Karte mit Zeichnung und Bibelspruch aufgehängt, dazu Kerzen angezündet, bis an

Weihnachten alle Plätze besetzt sind. Das Brauchrequisit stand erstmals 1846 im evangelischen Rettungshaus für Knaben in der Rheinischen Pastoralgehülfen-Anstalt in Duisburg, konnte sich aber letztendlich nicht gegen den Christbaum durchsetzen.

Zur Ausstellung ist ein 28 Seiten starkes, reich bebildertes Begleitheft in Farbe erschienen. Darin beleuchten verschiedene Autoren die Aspekte der Ausstellung vom Martinstag über die Adventszeit mit den Heiligentagen von Barbara und Nikolaus bis Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren.

Das Museum Malerwinkelhaus ist dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr, freitags bis sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet (nicht am 24., 25. und 31. Dezember), sonst nach Vereinbarung unter Tel. 09332/40546. Internet: www.marktbreit.de.

(Artikel vom 09.11.2005)