Kontrolle der Hierarchie über Engagement der Laien

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Kontrolle der Hierarchie über Engagement der Laien

Regensburger Bischof löst Gremien auf (Korrespondentenbericht)

Von Christian Feldmann

Aus der Zeitung erfuhren die Mitglieder des Diözesanrats und der Dekanatsräte im Bistum Regensburg, dass ihre Gremien zum ersten Adventssonntag abgeschafft werden. An ihre Stelle soll ein Pastoralrat mit beratender Funktion treten, dessen Laienmitglieder nicht gewählt, sondern vom Bischof berufen werden, sowie ein "Diözesankomitee" aus Vertretern der Verbände und geistlichen Gemeinschaften. Mit der in Deutschland einmaligen Entscheidung hat der Regensburger katholische Bischof Gerhard Ludwig Müller einmal mehr vorexerziert, was er stolz "Konsolidierung der Diözese" nennt.

Ausgerechnet Müller, kein Kirchenrechtler, sondern Dogmatiker mit beachtlichem Ruf, war von der Bayerischen Bischofskonferenz beauftragt worden, die Satzungen der im Gefolge des Konzils und der deutschen Synode errichteten Laiengremien zu überprüfen. Offenbar mit dem Ziel, die Kontrolle der Hierarchie über das Engagement der Laien zu verstärken, aber auch die Arbeit der Räte effektiver zu machen. Als Müller jedoch laut darüber nachzudenken begann, die Räte nicht zu reformieren, sondern gleich abzuschaffen, versicherten mehrere seiner bayerischen Bischofskollegen nachdrücklich, für solche grundsätzlichen Änderungen gebe es keinen Handlungsbedarf und die Gremienarbeit werde hoch geschätzt.

Das tue er natürlich auch, ließ der Regensburger Oberhirte jetzt erklären. Die wertvolle Mitarbeit der Laien solle lediglich gestrafft und auf eine solide theologische Grundlage gestellt werden. Müllers Generalvikar Wilhelm Gegenfurtner erläuterte, die bisherig etwas schwerfällig arbeitenden Gremien würden durch projektbezogene und zielorientierte Ausschüsse ersetzt, die sich etwa um Wallfahrten oder die Ehevorbereitung kümmern könnten.

In der Diözese verübelt man dem Bischof vor allem, dass er die Gremien aufgelöst hat, ohne mit den gewählten Vertretern der Laien auch nur ein Sterbenswörtchen zu reden. Die Räte wurden von den Veränderungen bis heute nicht informiert. Genauso verfuhr Müller bereits vor einigen Monaten, als er die Wahlordnung für Pfarrgemeinderäte änderte: Katholiken, die - so wörtlich - "nicht im Einklang mit der Lehre und den Grundsätzen der katholischen Kirche stehen", verlieren das passive Wahlrecht beziehungsweise können vom Bischof aus dem Pfarrgemeinderat ausgeschlossen werden. Ein Gummiparagraf, den die Gemeinsame Synode der Bistümer vor dreißig Jahren ausdrücklich abgelehnt hatte, weil er der willkürlichen Ausgrenzung eigenständiger Meinungen Vorschub leiste. Vergeblich protestierten das Landeskomitee der Katholiken in Bayern und das Zentralkomitee Deutscher Katholiken gegen den Alleingang des Bischofs und mahnten den Dialog an.

Empört reagieren jetzt keineswegs nur die kritischen Bewegungen wie "Wir sind Kirche". Auch aus der CSU erhebt sich Protest. Die Landtagsabgeordnete und ehemalige Staatssekretärin Marianne Deml etwa wirft dem Bischof vor, die aktive Mitarbeit der Laien in der Kirche einfach zu "zerschlagen". Konservative Müller-Parteigänger wie der Präfekt der Marianischen Kongregation im Bistum, Markus Spitzer, wollen in der Berufung der bisher von unten gewählten Laienvertreter durch den Bischof stattdessen eine "Aufwertung" sehen.

In der Diözese Regensburg wird es in nächster Zeit wohl noch weitere personelle Verwerfungen geben. Generalvikar Gegenfurtner, ein begeisterter Parteigänger des Bischofs, muss auf Grund von Differenzen mit Müllers allmächtigem Pressesprecher - einem jungen CSU-Juristen - gehen. Mit 58 Jahren wird er nun Hausgeistlicher in einem niederbayerischen Nonnenkloster, angeblich "auf eigenen Wunsch".

(Artikel vom 16.11.2005)