Gospel im vierten Gang
Gospel im vierten Gang
Die "Grünwald Gospel Jugend" vor dem Finale zum "Gospel-Award" 2006 in München
Von Markus Springer (epd)
"Gott ist da! Gott ist da!" - immer wieder klingt dieser Refrain soulig durch die Musikschule Grünwald. Der amerikanische Gospelsänger und Chor-Leader Eric Bond singt sich mit den 50 Jungen und Mädchen der "Grünwald Gospel Jugend" warm. Und erklärt den Sängern im Alter zwischen 11 und 23 Jahren, wie das so geht, mit der Gangschaltung beim Gospelchor-Singen: "Der erste Gang, das ist ein feierlicher Gottesdienst. Der zweite: ein Kirchenkonzert. Der dritte Gang, das ist hier, die Probe. Aber der vierte Gang, das ist unser Auftritt: Wir wollen zeigen, dass wir die Besten sind. Wir wollen gewinnen."
Noch wenige Tage sind es bis zum großen Auftritt am Samstag. Dann präsentiert sich die "Grünwald Gospel Jugend" als einziger bayerischer Teilnehmer beim Finale zum "Gospel Award 2006" im Münchner Internationalen Congress Center vor rund 3.000 erwarteten Zuschauern. Die Jugendlichen aus dem Münchner Süden treten gegen fünf Konkurrenten aus Deutschland, Stockholm und den Niederlanden um den mit 5.000 Euro dotierten wichtigsten deutschen Gospel-Preis an. Die Bayern sind die einzigen Bewerber, die deutsch singen. Die anderen Finalisten sind "Die Beinahe Sechs" aus Weiterstadt, "New Spirit Gospel Choir" aus Wiesbaden, "The Master´s Voice" aus Stockholm und "Irma" sowie "Chosen Gospel Choir" aus den niederländischen Städten Ede und Vlaardingen.
Der von der Fernseharbeit der evangelischen und der katholischen Kirche, der christlichen Hilfsorganisation World Vision, sowie von den Fernsehsendern RTL und bibel.TV unterstützte Preis findet 2006 zum dritten Mal statt - und zum ersten Mal in Bayern. Und unter der Schirmherrschaft des bayerischen Landesbischofs Johannes Friedrich, der in der "wachsenden Begeisterung für Gospelmusik in Deutschland einen außerordentlich positiven Trend" sieht.
Für die Grünwalder Jugendlichen hat der Weg in die Münchner Messe-Halle damit angefangen, dass es Eric Bond, Vorjahressieger des Gospel-Award mit den Münchner "Gospelsternen", nicht lassen kann. Und damit, dass er der Lebensgefährte ihrer Chorleiterin Jutta Hager (49) ist.
Die kam ziemlich zeitgleich mit den Anschlägen des 11. September 2001 neu ans Münchner Albert-Einstein-Gymnasium, um Sport und evangelische Religion zu unterrichten. Damals habe ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Halt bestanden - auch im Rahmen von Schulgottesdiensten, erinnert sich Hager. "Da können wir doch was auf die Beine stellen", habe sie sich gesagt, und ihren Lebensgefährten Eric Bond ins Boot geholt: "Kannst du kommen? Wir haben acht Wochen." Vom Chor, der dann den Schulgottesdienst bis auf den letzten Platz füllte, werden am Samstag noch einige auf der Bühne im Münchner Congress Center stehen.
Jutta Hager ist stolz darauf, dass ihr Gospelchor nur aus ganz normalen Schülern besteht, nicht aus "irgendwelchen eingekauften Solisten". Und dass er so bunt und international besetzt ist: "Mitmachen kann jeder", sagt sie. Da ist Zhen aus China oder Juliana aus Brasilien. Oder Luca, ein Kind, das eine Förderschule besucht. Die beste Tänzerin der Tanztruppe des Chors ist die sechzehnjährige Jülide (16), Kind türkischer Eltern und Muslimin. "Meine Eltern freuen sich, dass ich da mitmache", sagt sie, "das ist nicht gegen die Religion. Gott ist Gott.",
Internet: www.gosperlaward2006.de.
Foto per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b061300.


