"Kreuzritter" im Kanzleramt

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

"Kreuzritter" im Kanzleramt

Lohrer Dekan Michael Wehrwein folgte Einladung nach Berlin (Korrespondentenbericht)

Von Gerhard Lenz

Als echter "Kreuzritter" erweist sich der evangelische Dekan Michael Wehrwein aus Lohr (Kreis Main-Spessart). Sein Kampf für das öffentliche Bekenntnis zu dem christlichsten aller Symbole und die damit verbundenen Werte führte ihn jetzt sogar bis in Bundeskanzleramt, bestätigte er am Freitag dem epd. Wehrweins "Kreuzzug" begann im Mai 2001. Damals hatten er und der Landessynodale Fritz Schroth (Bischofsheim v. d. Rhön) anlässlich der Einweihung des Kanzleramtes Bundeskanzler Gerhard Schröder ein schlichtes Holzkreuz für dessen Amtszimmer geschenkt. Sie ahnten nicht, welchen Wirbel sie damit entfachten.

Zunächst landete das Kreuz in der Abstellkammer, worüber der Evangelische Pressedienst berichtete. Auf öffentlichen Druck hin wurde es schließlich im Zimmer eines Mitarbeiters im Kanzleramt aufgehängt. Journalisten, die das Kreuz sehen wollten, wurde der Zugang jedoch verwehrt. So blühten Spekulationen.

Auch Besuchergruppen im Kanzleramt fragten immer wieder nach dem Kreuz. Als sich ein Gästeführer im vergangenen Jahr gegenüber einer Aschaffenburger Gruppe etwas schnoddrig über das Kreuz äußerte, führte dies zu einem kritischen Beitrag im katholischen Würzburger Sonntagsblatt. Diesen wiederum sandte Wehrwein in einem Akt ökumenischer Verbundenheit mit einem Beschwerdebrief an Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Folge war nun eine Einladung zu einem Besuch des Bundeskanzleramts samt der Möglichkeit, sich persönlich von der Würdigung seines Geschenks zu überzeugen.

Wehrwein wurde in das Zimmer eines aus Köln stammenden Oberamtsrats geführt, der das Kreuz der Protestanten neben einem Poster des Kölner Doms aufgehängt hat. Damit ist die Geschichte jedoch noch nicht zu Ende: Inzwischen haben unterfränkische Schreiner als Protest gegen den zunehmenden Verfall christlicher Werte 450 ähnliche Holzkreuze angefertigt. Die Aktion erbrachte nach Wehrweins Angaben bislang über 7.000 Euro. Das Geld gehe jeweils zur Hälfte an ein Missionskrankenhaus in Papua-Neuguinea und an die Berliner Stadtmission. Bei seinem Berlin-Aufenthalt mit den Mitgliedern eines christlichen Hauskreises konnte sich Wehrwein nun von der Arbeit dieser Einrichtung "in weitgehend atheistischen Berliner Stadtvierteln" überzeugen.

Ein unerwartetes Erfolgserlebnis gab es für den Lohrer Dekan dann noch beim Besuch der Bayerischen Vertretung in der Landeshauptstadt: Ein Kreuz aus der unterfränkischen Schreiner-Aktion, dass er dem bayerischen Staatsminister Erwin Huber anlässlich eines Neujahrsempfangs der CSU im Kreis Main-Spessart überreicht hatte, entdeckte er dort im Eingangsbereich. "Es war gut sichtbar und wird sogar angestrahlt", freute sich Wehrwein. Seinen "Kreuzzug" unter Politikern will er fortsetzen und der designierten Bundeskanzlerin Angela Merkel nach deren Amtsantritt ebenfalls ein schlichtes Kreuz für ihr Arbeitszimmer schicken. "Sie ist ja die Tochter eines Pfarrers. Ich hoffe, sie wird es aufhängen", meinte der Dekan.

(Artikel vom 11.11.2005)