Wetter: "Moscheen sind keine Kirchen"
Wetter: "Moscheen sind keine Kirchen"
Jahresrückblick von Kardinal Wetter
Als ein "herausragendes Ereignis mit nachhaltiger positiver Resonanz" hat der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, den Besuch von Papst Benedikt XVI. in seiner bayerischen Heimat bezeichnet. Der Besuch habe gezeigt, dass Glaube und Kirche "öffentlich wahrgenommen und diskutiert werden" und habe in den Gemeinden "zahlreiche Impulse für die pastorale Arbeit" ausgelöst, sagte Wetter am Freitag im Münchner Presseclub.
Großes Interesse habe die Regensburger Vorlesung des Papstes gefunden. Der Appell des Papstes, sich dem dringend notwendigen Dialog mit dem Islam zuzuwenden, sei "positiv aufgenommen und als Impuls an die eigene Adresse verstanden worden", sagte Wetter. Auch die Türkeireise habe trotz "mancher negativer Signale" die Hoffnung auf eine "friedliche Entwicklung" eines Dialogs geweckt. Allerdings gebe es viel zu klären. Insbesondere in der Frage der Menschenrechte auf freie Religionsausübung müsse es Fortschritte geben.
In Bezug auf den geplanten Bau einer Moschee in München warnte Wetter vor voreiligen Entscheidungen. Die Forderung der Regierung von Oberbayern nach einem Bebauungsplan für den Moscheekomplex biete die Chance, alle Beteiligten in einen konstruktiven Meinungsbildungsprozess einzubeziehen. "Eine Moschee ist keine Kirche", betonte Wetter. Denn eine Moschee werde nicht nur für religiöse Feiern genutzt, sondern auch als Treffpunkt und Ort politischen Handelns. Dies habe Konsequenzen für das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen.
Deutlich sprach sich Wetter gegen multireligiöse Feiern in Schulen aus. Kinder müssten in der Schule in ihrem eigenen Glauben erzogen werden und um ihre Identität wissen. Außerdem erfordere die Vorbereitung multireligiöser Veranstaltungen viel Fingerspitzengefühl, Respekt und fundierte Sachkenntnisse. "Ein religiöser Mischmach ist keine multireligiöse Feier, und eine Relativierung der eigenen Positionen ist kein Dialog", sagte der Kardinal.
Für das kommende Jahr kündigte Wetter eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Ehe und Familie an. Ehe sei kein "überholtes Modell", das ausgemustert werden müsse. Die katholische Kirche werde unbeirrt an ihrem Leitbild von Ehe und Familie festhalten, auch wenn dies "nicht allen gefällt", so Wetter. Kirche wolle Werte vermitteln und die Beziehungs- und Erziehungskompetenz in Ehe und Familie fördern. Dazu gehöre das Eintreten für eine gesunde Umwelt, für die Gestaltung eines sozial lebenswerten Wohn- und Arbeitsraumes und dazu für familienfreundlich gestaltete Arbeitsplätze.


