Lebensbegleitende Seelsorge für Mittelständler

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Lebensbegleitende Seelsorge für Mittelständler

Seelsorgertag in Bad Alexandersbad: Mehr Nähe zur Wirtschaft gesucht

Die evangelische Kirche will die Lebenssituation von Handwerkern und mittelständischen Unternehmen künftig weit stärker ins seelsorgerliche Blickfeld nehmen als bisher. Bei einem oberfränkischen Seelsorgertag im Evangelischen Bildungszentrum Bad Alexandersbad suchten Theologen und Mittelständler nach Wegen zu einem engeren Vertrauensverhältnis. Manche Handwerker hatten nach eigener Aussage bislang den Eindruck: "Die Kirche interessiert sich nicht für uns - der Pfarrer kommt nur, wenn er Geld will ..."

Oberfrankens evangelischer Regionalbischof Wilfried Beyhl (Bayreuth) sprach von einer beeindruckenden Begegnung. "Wir haben die besondere gesellschaftliche Bedeutung der Handwerkerfamilien, aber auch ihre Belastungen und Existenzängste bisher noch zu wenig gesehen." Erst wenn im Alltagsleben Vertrauen gewachsen sei, würden Handwerker in Krisensituationen die Nähe zur Kirche und zum Pfarrer suchen. "Sie brauchen von uns nicht wirtschaftliche Beratung, sondern lebensbegleitende Seelsorge", sagte Beyhl. Pfarrer sollten auch bei Freisprechungsfeiern, Handwerkermärkten oder bei einem Erntedankfest für Handwerker vertreten sein.

Pfarrer Wolfram Lehmann (Hof), der auf einer kirchlichen Projektstelle den Strukturwandel in Nordostbayern begleitet, hält seelsorgerlichen Beistand bei Krisen und Firmenzusammenrüchen für dringend geboten. "Wenn's in Betrieben brennt, sollte der Pfarrer zur Stelle sein. Er muss aber schon viel früher einen Zugang zu den Unternehmern haben und eine Vertrauensbasis schaffen." Voraussetzung sei ehrliches Interesse für die Probleme des Mittelstandes.

(Artikel vom 06.02.2007)