Das Wort zu Ostern
Das Wort zu Ostern
Keine Grabeshüter, sondern Hoffnungsträger
Ostern ist dieses Jahr sehr früh - möglicherweise zu früh, als dass man ein Frühlingsfest feiern könnte. Wenn aber zu Ostern nicht den Frühling feiern, was dann? Vielleicht müsste man doch einmal nachfragen, was der eigentliche Ursprung des Osterfestes war. Die ältesten Quellen bietet uns die Bibel z.B. in dem Zeugenbericht des Evangelisten Matthäus.
Da sind es zwei Personengruppen: Das eine sind die Grabeshüter. Das waren die Männer, die nach dem Tod Jesu am Kreuz sein Grab bewachen sollten - keine Ehrenwache, sondern eben Grabeshüter, die über dem Grundsatz wachen: Mit dem Tod ist alles aus. Jesus mag ein guter Mensch gewesen sein. Vielleicht war seine Hinrichtung ein Justizirrtum. Aber jetzt ist Jesus tot. Über den Tod hinaus gibt es kein Leben und keine Hoffnung. Alles andere ist Lüge.
Das andere sind die Hoffnungsträger. Das waren zuerst die Frauen, die am Grab Jesu nicht stehen blieben. Sie hörten die Botschaft des Engels - war der nicht schon zu Weihnachten das Hoffnungszeichen? Nun sagte er: "Seid nicht furchtsam hier am Grab. Jesus ist nicht tot da drinnen. Er ist auferstanden und lebt. Er wird vor euch hergehen. Da werdet ihr ihn sehen in euerem Leben."
Die Frauen gingen und erzählten es weiter. Und da sahen sie den Jesus am Leben. Sein Wort sprach sie mit neuer Kraft an, hatte Hand und Fuß, war leibhaftig lebendig geworden. Die begrabenen Hoffnungen waren auferstanden wie die aufgehende Sonne. Es gibt Leben und Hoffnung über den Tod hinaus. Alles andere wäre eine Lebenslüge.
So also die Hoffnungsträger. Sie haben sich durchgesetzt, so dass jedes Jahr bis heute Ostern gefeiert wird, die Auferstehung Jesu Christi. Menschen werden auferweckt zu neuer Glaubenskraft und Hoffnung. Sie bleiben nicht als Grabeshüter stehen, sondern gehen als Hoffnungsträger in die Welt. Hoffnungsträger werden gebraucht, damit lähmende Resignation und soziale Kälte überwunden werden.
Ostern ist dieses Jahr sehr früh und möglicherweise ohne Frühlingsgefühle. Umso mehr feiern wir in den Ostergottesdiensten den auferstandenen Christus, mit dem Lebens- und Hoffnungskraft auferstehen. Christen stehen auf und leben als Hoffnungsträger.
Oberkirchenrat Wilfried Beyhl ist
Regionalbischof des Kirchenkreises Bayreuth


