Das Wort zum "Tag der deutschen Einheit"

Geistliches Wort | epd - Landesdienst Bayern

Das Wort zum "Tag der deutschen Einheit"

Für Deutschland beten und arbeiten

Von Helmut Völkel

Am 3. Oktober jährt sich der Tag der deutschen Einheit zum 15. Mal. Der Feiertag fällt in diesem Jahr auf einen Montag und beschert uns damit ein verlängertes Wochenende. Es gibt also genug Zeit zum Ausschlafen, zur Freizeitgestaltung und zum Nachdenken. Wie geht es unserem Land? Was haben wir geschafft, woran arbeiten wir noch? Zu hoch sind die Arbeitslosigkeit und die Abwanderungen in den Westen. An verschiedenen Orten gibt es aber auch eine Aufbruchstimmung. Genaue Informationen und differenzierte Einschätzungen sind gefragt, um Pauschalurteile zu vermeiden.

Schauen wir zum Beispiel zu Mifa in Sangerhausen/Sachsen-Anhalt. Die Mitarbeiter der Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) schrauben hier jährlich über 700.000 Räder zusammen, obwohl der Fahrradbau für immer verloren galt an die Niedriglohnländer in Asien. Inzwischen hat Mifa seinen Marktanteil bei den inländischen Herstellern auf 25 Prozent gesteigert und ist seit 2004 als eins der wenigen Ost-Unternehmen an der Börse notiert. Oder im "Autoland Sachsen", wie sich die Heimat von Audi und Trabi nun selbstbewusst nennt. Volkswagen montiert in der Gläsernen Fabrik mitten in Dresden den Phaeton, das Flaggschiff des Konzerns. Der neue Golf V kommt aus Mosel bei Zwickau. Im Norden von Leipzig produziert Porsche den Geländewagen Cayenne und den Sportwagen Carrera GT. Nicht weit davon entfernt hat BMW eine der modernsten Automobilfabriken der Welt errichtet.

Welche Einschätzung der Lage machen wir uns zu Eigen und in welcher Tonlage reden wir über das wiedervereinigte Deutschland? Es gibt Äußerungen, die nach unten ziehen und solche, die aufbauen und inspirieren. Als Christen sollten wir der Gefahr widerstehen, als negative Verstärker zu wirken. Wo Ohnmacht, Resignation und Pessimismus sich breit machen, sollten wir die Kraft unseres Glaubens ins Spiel bringen. Gilt es doch, das Beste unseres Landes zu suchen und die positiven Kräfte zu stärken, damit noch besser zusammenwachsen kann, was zusammengehört. Von uns Christen dürfen trotz vieler Probleme, die es noch zu lösen gilt, Signale der Hoffnung und der Zuversicht erwartet werden.

Damals, als die Mauer fiel, haben viele von einem Wunder gesprochen. Eine große Dankbarkeit war zu spüren. Menschen lagen sich in den Armen. Freudentränen wurden geweint. Einigkeit und Recht und Freiheit hatten die schönst mögliche Gestalt eines wiedervereinigten Landes angenommen. Und der Glaubende sah darin einen Fingerzeig Gottes. Das Geschenk ist und bleibt freilich Verpflichtung. Wir sind aufgerufen, für Deutschland zu beten und zu arbeiten. Beides ist wichtig, die tätigen Hände und die gefalteten Hände.

Oberkirchenrat Helmut Völkel ist Regionalbischof

des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg

(Artikel vom 27.09.2005)