Das Wort zum Ewigkeitssonntag

Geistliches Wort | epd - Landesdienst Bayern

Das Wort zum Ewigkeitssonntag

Ich bin ein Gast auf Erden…

Von Helmut Hofmann

"Hospiz am Pfaffenteich" gerne habe ich in dieser kleinen Pension in Schwerin übernachtet. Dann plötzlich eine Namensänderung. "Hotel garni am Pfaffenteich". "Ach wissen Sie", erklärte mir die Besitzerin, "immer wieder haben Leute hier angerufen und uns mit einem Sterbehaus verwechselt. Das ist nicht gut fürs Geschäft. Wer übernachtet schon gerne in der Gesellschaft von Sterbenden?"

Klar, ich auch nicht. Aber mache ich es nicht ständig? Nicht mit Menschen, die auf ihren letzten Atemzug warten. Aber mit Menschen, die alle ihr Ende vor sich haben. Die zwanzigjährige Kosmetikerin vielleicht erst in unvorstellbaren 70 Jahren. Und der betagte Städtetourist vielleicht schon im nächsten Jahr.

Der Ewigkeitssonntag erinnert uns daran, dass wir nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde leben. Dass wir hier nur Gast sind. Dass sterben zum Leben dazu gehört wie das atmen.

Der Ewigkeitssonntag will aber auch eine Perspektive aufzeigen. Wenn wir nur Gast auf Erden sind, wo gehören wir dann hin? Christen sprechen beim Sterben manchmal vom heimgehen. Sie drücken damit aus, dass wir unser Leben nicht auf die Zeit von Geburt und Sterben begrenzen müssen. Dass Gott uns mehr geschenkt hat: Das Leben bei ihm. Wir können es nicht ausmalen, aber wir glauben, dass wir eine Zukunft bei Gott haben, die über unser Sterben hinausgeht. Und wir glauben, dass Jesus Christus schon in dieser Welt bei Gott ist

In dieser Hoffnung nehmen wir Abschied von Menschen, die vor uns gestorben sind. In dieser Hoffnung dürfen wir sie loslassen und in Gottes Hände übergeben. In dieser Hoffnung lerne ich Ja zu sagen zu meinem eigenen Sterben - wann auch immer. Und vorher darf ich hoffentlich noch oft im ehemaligen "Hospiz" am Pfaffenteich übernachten.

Oberkirchenrat Helmut Hofmann ist Leiter der Abteilung

Schule, Bildung und Medien im Landeskirchenamt

(Artikel vom 16.11.2005)