Das Wort zum Advent
Das Wort zum Advent
Zeit der Vorbereitung
Von Michael Martin
München (epd: Wir sind es gewohnt, uns gut vorzubereiten. Auf eine Prüfung zum Beispiel. Da werden Bücher gewälzt, bis in die Nacht hinein gelernt und manchmal sogar lieb gewordene Gewohnheiten, wie der regelmäßige Besuch in der Lieblingspizzeria oder der spannende Kriminalroman, für eine Zeitspanne zurück gestellt.
Wir sind es gewohnt, uns gut vorzubereiten. Auf das Wiedersehen eines Freundes nach langen Jahren. Da werden Erinnerungen ins Gedächtnis zurück gerufen, alte Bilder aus dem Schrank geholt und der Ort für den Treffpunkt sorgfältig ausgewählt.
Wir sind es gewohnt, uns gut vorzubereiten. Auf ein Fest zum runden Geburtstag. Da wird genau überlegt, wer eingeladen werden sollte. Die Speisekarte wird sorgfältig ausgesucht. Mit ganz viel Mühe werden die Tische dekoriert. Überraschungen für den zu Ehrenden werden überlegt. Wir sind es gewohnt, uns gut vorzubereiten.
Die Adventszeit ist auch so eine Zeit der Vorbereitung. Doch auf wen oder was bereiten wir uns eigentlich vor? Warum eigentlich so viel Aufwand? Adventskränze, duftende Lebkuchen, schön verzierte Kerzen; Weihnachtsbaum, Geschenke, Festessen - alles das will vorbereitet sein und nicht selten artet diese Vorbereitung in Stress und Hektik aus. Warum eigentlich so viel Aufwand?
Wir bereiten uns vor auf den, der in unsere Welt kommt. Wir bereiten uns vor auf den, der unseren Alltag hell machen will. Wir bereiten uns vor auf den, der uns neue Hoffnung gibt und Mut zum Leben. Jesus Christus kommt in unsere Welt. Er ist es, den wir erwarten. Er ist es, für den wir Tor und Tür hoch und weit machen. Darum also all die Vorbereitung, weil da einer kommt. Einer, der uns ernst nimmt mit unseren Sorgen und Nöten. Einer, der uns nahe sein will in den Festzeiten unseres Lebens aber gerade auch an den Tiefpunkten, dort wo es ganz dunkel um uns herum ist.
Auf ihn lohnt es sich vorzubereiten. Denn er unterbricht uns in all unserer Arbeit, in all unserem Lärm, in all unseren Sorgen. Er kommt in unsere Welt, ganz klein, ganz unscheinbar. Er kommt in unsere Dunkelheit wie ein kleines Licht. Er kommt und unterbricht uns, in all unserer Hektik und unseren Bemühungen. Er kommt ganz anders, als wir das erwarten. Er kommt nicht, um uns neue Lasten aufzuladen. Er kommt, damit wir aufatmen und neuen Mut bekommen. Er kommt, damit es hell wird in unserem Leben. Er kommt zu uns, damit wir neue Menschen werden, damit Hoffnung aufblüht, damit sich unsere Nacht in den hellen Morgen verwandelt. Darauf dürfen wir uns vorbereiten in der Zeit des Advents.
Oberkirchenrat Michael Martin ist Leiter der Abteilung
Ökumene und kirchliches Leben im Münchner Landeskirchenamt


