Freudlose Stimmung in der Pfarrerschaft

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Freudlose Stimmung in der Pfarrerschaft

Evangelische Landessynode: Grenzen der Leistungskraft erreicht

Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer in Bayern leiden unter zu hohem Erwartungsdruck. Es gebe ein weit verbreitetes Gefühl der Überlastung, stellte Landesbischof Johannes Friedrich bei der in Ansbach tagenden bayerischen Landessynode am Montag vor Journalisten fest. Auf allen kirchlichen Ebenen müsse über eine strukturelle Entlastung der Pfarrerschaft nachgedacht werden.

"Die Anforderungen an den Pfarrerberuf waren noch nie so hoch", sagte der Bischof. Vor 50 Jahren hätten Gottesdienste, Geburtstagsbesuche und Amtshandlungen noch genügt. Nunmehr seien die Verwaltung von drei bis vier Kindergärten, einer Sozialstation, die Führung von 30 bis 40 Mitarbeitern und viele andere Aufgaben hinzu gekommen. Wenn sich dann noch jemand eine Krabbelgruppe wünsche, sei schnell die Grenze der Leistungskraft erreicht.

Allerdings sei das Überforderungsgefühl nicht durchgängig vorhanden, relativierte der Bischof. "Die sich nicht beklagen, hört man nicht", sagte er. Noch immer sei der Pfarrerberuf "einer der schönsten Berufe der Welt". Trotz des Drucks könnten Pfarrer immer noch selbst entscheiden, welche Aufgaben sie anpackten.

Synodalpräsidentin Heidi Schülke forderte die Pfarrer auf, Verwaltungstätigkeiten an ehrenamtliche Mitarbeiter abzutreten. "Die Gabenkasse muss der Pfarrer wirklich nicht selbst führen." Mehr Delegation sei nötig.

Zuvor hatten mehrere Kirchenparlamentarier die gedrückte Stimmung in der Pfarrerschaft beklagt. Die Rede war von "freudloser Stimmung" und dem Gefühl "immer noch mehr draufpacken zu müssen". Die Überlastung schwelle an, bestätigte Corinna Hektor, stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Pfarrerinnen- und Pfarrervereins dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Es muss etwas geschehen, bevor die Pfarrer in die innere Emigration gehen oder ausbrennen", sagte sie.

(Artikel vom 19.03.2007)