Aktions-Programm und frustrierte Pfarrer
Aktions-Programm und frustrierte Pfarrer
Evangelische Landessynode: Seelsorger von Verwaltungs-Aufgaben entlasten
Das breit angelegte Aktions-Programm "Kirche vor Ort" und die Situation der bayerischen Pfarrerschaft haben den Auftakt der evangelischen Landessynode in Ansbach bestimmt. Die Kirche könne sich nicht damit zufrieden geben, immer öfter "nur noch eine kleine Schar zu erreichen", sagte Landesbischof Johannes Friedrich am Montag vor dem Kirchenparlament der 2,6 Millionen bayerischer Protestanten. Deshalb werden sich die 108 Synodalen, in der Mehrzahl Laien, noch bis Donnerstag mit Zukunftskonzepten kirchlichen Lebens befassen.
Wie Bischof Friedrich betonte, sei es eine zentrale Aufgabe, die Mitarbeitenden der Kirche besser zu fördern und zu fordern. Neben der großen Zahl gut ausgebildeter und hoch motivierter Mitarbeiter gebe es auch Fälle, wo Leitungsaufgaben nicht wahrgenommen und notwendige Entscheidungen verzögert oder verhindert würden.
Zur Zukunftsfähigkeit der Kirche zählten auch neue Gemeindeformen. Neben den örtlichen Kirchengemeinden müsse es gleichwertig Profilgemeinden, Passantengemeinden, Mediengemeinden und Anstaltsgemeinden geben. Diese unterschiedlichen Gemeindeformen dürften sich nicht als Konkurrenz verstehen, mahnte Friedrich.
Bei den rund 2.600 bayerischen Pfarrerinnen und Pfarrern gibt es nach Beobachtung Friedrichs ein weit verbreitetes Gefühl der Überlastung. Deshalb müsse auf allen kirchlichen Ebenen über eine strukturelle Entlastung der Pfarrerschaft nachgedacht werden. "Die Anforderungen an den Pfarrerberuf waren noch nie so hoch", sagte der Bischof. Vor 50 Jahren hätten Gottesdienste, Geburtstagsbesuche und Amtshandlungen noch genügt. Nunmehr seien die Verwaltung von drei bis vier Kindergärten, einer Sozialstation, die Führung von 30 bis 40 Mitarbeitern und vieles andere Aufgaben hinzu gekommen. Wenn sich dann noch jemand eine Krabbelgruppe wünsche, sei schnell die Grenze der Leistungskraft erreicht.
In der Aussprache zum Bericht des Bischofs hatten mehrere Synodale die gedrückte Stimmung in der Pfarrerschaft angesprochen. Die Überlastung schwelle an, bestätigte Corinna Hektor, stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Pfarrerinnen- und Pfarrervereins dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Es muss etwas geschehen, bevor die Pfarrer in die innere Emigration gehen oder ausbrennen", sagte sie.
Die Finanzlage der Landeskirche hat sich weiter entspannt. An Steuern seien über 1,5 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant eingenommen worden, sagte die Synodale Hertha Küßwetter (Ehingen) in ihrem Bericht des Landessynodalausschusses.


