"Nachahmung erwünscht!"
"Nachahmung erwünscht!"
Landeskirche investierte 300.000 Euro in innovative Projekte
Von Rieke C. Harmsen (epd) =
Kluge Unternehmer investieren in die Entwicklung neuer Produkte und Techniken, auch wenn es ihnen wirtschaftlich gerade schlecht geht. Die evangelische Landeskirche in Bayern tat es den Unternehmen gleich: Um aus den roten Zahlen zu kommen und den Haushalt zu konsolidieren, beschloss die Landessynode, das Kirchenparlament als oberstes Beschlussgremium der rund 2,6 Millionen Protestanten, vor einigen Jahren schon einen radikalen Sparkurs. Gleichzeitig steckte sie 300.000 Euro in einen "Innovationsfonds". Zur Frühjahrssynode in Ansbach, die sich bis Donnerstag dem Thema "Kirche vor Ort" widmet, wurde nun eine erste Zwischenbilanz gezogen.
"Die Landeskirche wollte Projekte in ganz Bayern fördern, die einen neuen Akzent setzen, ungewöhnlich sind und nicht durch traditionelle Wege abgedeckt sind", erklärte Projektleiter Thomas Roßmerkel dem epd. Insgesamt bewarben sich über 100 Gemeinden und Initiativen, kirchliche Verwaltungsstellen und Diakonieeinrichtungen - von Aschaffenburg bis Puchheim, Neu-Ulm bis Röslau. Von den 110 Projektanträgen wurden 66 bewilligt.
Kirchenrat Roßmerkel ist zufrieden: "Die Projektideen zeigen, wie viel mit wenig Geld erreicht werden kann". Oft reichten wenige hundert Euro, um ein Projekt anzustoßen und es erfolgreich zum Laufen zu bringen. Den Höchstbetrag von 10.000 Euro bekamen allerdings nur wenige Projekte, wie beispielsweise die Kircheneintrittsstelle in Nürnberg.
Auffällig sei, wie sehr Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen "ein präzises Gespür haben für gesellschaftliche Entwicklungen", meint Roßmerkel. Viele Einrichtungen würden mit ihren Projekten auf Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, Armut oder Einsamkeit reagieren wollen. Beispiele dafür seien etwa das Projekt "Nicht nur ein Ma(h)l" in Augsburg, bei dem einsame und arme Menschen zum Abendessen eingeladen werden, oder die Ausbildung von Konfliktmediatoren.
Aktuell seien aber auch die Themen "Neue Medien" und "Vernetzung". So sei in Nürnberg etwa ein gemeinsames Pfarramt für vier Kirchengemeinden geplant, und die Kirchengemeinde Puchheim wolle mit einem Internet-Newsletter neue Mitglieder ansprechen.
Nicht immer war die Entscheidung für die Jury, zu der zwei Synodale, ein Finanzberater und ein Dekan gehörten, einfach. "Manchmal dachten wir, diese oder jene Idee ist doch selbstverständlich, aber bei einer Überprüfung mussten wir feststellen, dass es so etwas in unserer Landeskirche bisher noch nicht gab, und dann bekam das Projekt den Zuschuss", erzählt Roßmerkel. Kategorisch ausgeschlossen wurden allerdings Projekte, mit denen die Gemeinden oder Einrichtungen ihre regulären Personalkosten oder ihren Haushalt entlastet wollten.
Eine Bilanz des Projektes "Innovationsfonds zur Begleitung der Haushaltskonsolidierung" steht noch aus. Die letzten Abschlussberichte erwartet Roßmerkel zum Jahresende. Erst dann erhalten die Antragsteller auch die letzten zehn Prozent ihres Zuschusses.
Doch bis dahin haben sich hoffentlich schon viele Kirchengemeinden und Einrichtungen von den Ideen und Projekten inspirieren lassen. "Der Innovationsfonds will auch Anstoß sein für weitere Projekte", meint Roßmerkel. Aus diesem Grund wird die Projektliste im landeskirchlichen Intranet auch ständig aktualisiert. Schließlich ist ihr oberstes Ziel, wie das Projekt überschrieben wurde: "Nachahmung erwünscht!"
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