logo
Veröffentlicht auf EPV - Evangelischer Presseverband für Bayern (http://www.epv.de)

Kirche soll nahe bei den Menschen sein

Kirche soll nahe bei den Menschen sein

Basisbefragung erbrachte Absage an Selbstgenügsamkeit

Die evangelische Kirche soll ihre Mitglieder durch das Leben begleiten, allen Menschen ohne Ansehen der Person Hilfe leisten und in der Gesellschaft deutlich ihre Stimme erheben. Zu diesen Ergebnissen hat eine Befragung der Kirchenbasis geführt, die am Dienstag die bayerische Landessynode bei ihrer Tagung in Ansbach beschäftigte.

Die Nähe zu den Menschen müsse ein Kennzeichen der Kirche bleiben, folgerte das Kirchenparlament aus dem 30-seitigen Auswertungsbericht des Prozesses "Kirche vor Ort", der auf 149 Stellungnahmen aus Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen basiert. Die Untersuchung offenbart neben hoher Bereitschaft zu konstruktivem Mitdenken jedoch auch innerkirchliches Konfliktpotenzial.

85 Prozent der Gemeinden fühlen sich an wichtigen gesamtkirchlichen Angelegenheiten zu wenig beteiligt. "Da ist erheblich Dampf im Kessel", sagte Professor Joachim König von der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg bei der Präsentation der Ergebnisse. Zu oft werde Demokratie nur vorgespielt.

Als Dauerbrenner erwies sich der Umgang mit den Ehrenamtlichen. Sie würden zunehmend als Lückenbüßer oder Mittel zum Zweck missbraucht, stellte König fest. Die Grenzen der Belastbarkeit seien erreicht. Eine eindeutige Absage erteilte die Basis kirchlicher Selbstgenügsamkeit. Die Kirche müsse sich stärker nach außen orientieren und in Schulen, Krankenhäuser, Arbeitstellen und andere Lebenswelten hineingehen.

Die evangelische Kirche wird von den Befragten als dienende Kirche verstanden. Dazu braucht es laut Basis-Votum "keine austauschbaren Manager, sondern glaubwürdige Mitarbeiter". Von der Kirchenleitung wurde ortsnahe und unbürokratische Unterstützung erwartet. "Man will sich nicht als Bittsteller behandelt fühlen", sagte König.

Mit Enttäuschung quittierte das Kirchenparlament, dass die ursprünglich breit angelegte Untersuchung nur 149 Rückmeldungen erbrachte. Bei der Frage nach den Gründen der Verweigerung ermittelte der landeskirchliche Planungsreferent Stefan Koch vor allem zwei Motive: Zeitliche Überlastung der hauptamtlichen Mitarbeiter und fehlenden Glauben daran, dass die Untersuchung Ertrag für die eigene Arbeit bringen könnte.

(Artikel vom 20.03.2007)

URL:
http://www.epv.de/node/3341