Projekte machen Lust auf Kirche
Eine Zwischenbilanz zum Innovationsfonds der Landeskirche - (Hintergrund)
"Nachahmung erwünscht!", so lautet der Titel einer Liste von Projekten, die die bayerische Landeskirche in den vergangenen drei Jahren mit Zuschüssen bedacht hat. Aus einem "Innovationsfonds" in Höhe von 300.000 Euro waren insgesamt 66 Projekte in den rund 1.200 Kirchengemeinden sowie den kirchlichen Einrichtungen gefördert worden. Unterstützt wurden dabei zukunftsweisende, neue und ungewöhnliche Projekte, "die Lust auf Kirche machen".
Matthias Dorner, Pfarrer an der St. Thomaskirche in Augsburg, zog eine erfreuliche Bilanz: Sein Projekt "Nicht nur ein Ma(h)l", ein Mittagstisch für arme und einsame Menschen, werde mit 60 bis 80 Besuchern pro Woche rege genutzt. Die Gemeinde betreibt das wöchentliche Treffen bereits seit 2004. Von dem Zuschuss aus dem Innovationsfonds wurde die Küche umgebaut und ein neuer Herd beschafft. Das Geld empfindet Dorner nicht nur als finanzielle Anerkennung: "Es ist eine riesige Motivation für unsere Mitarbeiter, zu spüren, dass andere gut finden, was sie tun."
Besonders begeistert zeigte sich Diakonin Anke Himmel, die mit der Gemeinde der Friedenskirche in München ein Kletter-Wochenende mit verhaltensauffälligen Kindern gestaltet hatte: "Das war eine der erfolgreichsten Maßnahmen mit Kindern, die ich je gemacht hatte", sagte sie. Die Nachhaltigkeit solcher Projekte zeigt sich für Himmel an den vielen Nachfragen, die sie im Anschluss an den Ausflug erhalten habe. "Alle Projekte, die gefördert wurden, haben ein Alleinstellungsmerkmal und zeigen, dass es ein Bedürfnis gibt, auf das reagiert wird", so die Diakonin.
Mit einem virtuellen Kirchenführer der Hospitalkirche in Hof betreute Pfarrer Johannes Taig eines jener Projekte, die auf Neue Medien setzten. Auf einer CD-ROM wird die wechselvolle Geschichte der Hospitalkirche lebendig. "Wir unterschätzen in der Kirche die Bedeutung unserer Gebäude", sagte Taig, "das Interesse daran ist riesig". Innerhalb "kürzester Zeit" seien die Produktionskosten für die CDs wieder eingenommen worden.
Weniger historisch orientiert ist die Internet-Plattform www.kollegiale-beratung.net, die das religionspädagogische Zentrum Heilbronn eingerichtet hat. Ein Jahr hat die Realisierung der Seite gedauert, bis mindestens 2008 wird sie online bleiben können. Religionspädagoge Gerhard Spangler bedauert, dass der Fonds ein einmaliges Unternehmen geblieben ist: "Ich finde es schade, dass diese Idee verloren gegangen ist." Sein Projekt erfülle mit bisher 120 Mitgliedern in der Beratungsplattform die Erwartungen, bleibe aber auf Zuschüsse angewiesen.
Gemeindereferent Horst Eichner von der Auferstehungskirche in Schweinfurt hat im Laufe seines Projekts dazu lernen müssen. Angeboten wurde ein Gesprächskreis für Menschen, die in Trennung oder Scheidung leben. Von dem Zuschuss aus dem Innovationsfond wurde die psychotherapeutische Beraterin finanziert. "Unser Ziel, eine feste Gruppe zu etablieren, hat sich nicht verwirklichen lassen", so Eichner. Die Besucher hätten sich meist nach einiger Zeit wieder aus dem Kreis verabschiedet. In welcher Form das Projekt weitergehen kann, steht noch nicht fest. Dennoch bewertet Eichner das Experiment positiv: "Ein Innovationsfond ist eine Chance, Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu machen - ob sie nun positiv oder negativ sind."