Perlen des Glaubens
Perlen des Glaubens
Künstlerin Glimsal-Eberspacher zeigt Installation in der Christuskirche Kempten (Korrespondentenbericht)
Von Sebastian Müller
Wenn ein schwedischer Bischof nach Griechenland fährt, dort eine Gebetskette erfindet, die Idee an eine norwegische Malerin aus dem Allgäu weitergibt, diese mit einem Engländer daraus eine Installation macht und schließlich nach Norwegen exportiert, kann man durchaus von europäischer Einigung sprechen.
Im Jahr 1996 war der schwedische Bischof Martin Lönnebo auf einem kleinen Boot im griechischen Mittelmeer unterwegs. Plötzlich kam ein Sturm auf. Der evangelische Bischof und die übrigen Menschen auf dem Boot konnten sich jedoch auf eine kleine Insel retten. Als Lönnebo dort die griechischen Fischer mit ihren Perlenketten beobachtete, zeichnete er einen Rettungsring aus Perlen auf Papier und gab jeder Perle eine besondere Bedeutung - die Gebetskette "Perlen des Glaubens" war geboren.
Jetzt hat die aus Norwegen stammende Allgäuer Malerin Torill Glimsal-Eberspacher diese Idee aufgegriffen. Gemeinsam mit dem englischen Metallgestalter Anthony Wootton hat sie in der evangelischen Christuskirche Kemptener einen meditativen Rundgang mit 18 Stationen aufgebaut.
Auf neun Metallständern prangen quadratische abstrakte Gemälde, die Menschen in verschiedenen Körperhaltungen zeigen. Jedes Motiv entspricht einer der neun Haupt-Perlen der bischöflichen Gebetskette: Die Gottesperle, die Ich-Perle, die Tauf-Perle, die Wüsten-Perle, die Perle der Gelassenheit, die Perlen der Liebe, die Perle der Nacht und die Perle der Auferstehung.
Weitere neun Stationen, die so genannten "Perlen der Stille", bestehen nur aus Eisenschalen mit sandfarbenen Perlen. Hier soll der Betrachter Zeit zum Innehalten finden. Den Weg der "Perlen des Glaubens", sagt die Künstlerin Glimsal-Eberspacher, legten viele Menschen im Lauf ihres Lebens zurück. Zudem erinnere der Verlauf der Stationen auch an den Weg, den Jesus Christus zurückgelegt habe.
An jeder Station stehe eine Metallschale mit einer zum Bild passenden Perle. So könne sich der Besucher nach und nach selbst eine Gebetskette zusammenstellen. "Ich kann mich aktiv vertiefen, darf Lebensfragen stellen und bei dem Betrachten der Bilder bricht in mir etwas auf", sagt die Künstlerin. Die 1961 in Norwegen geborene Malerin lebt seit 1990 im Raum Kempten, ist mit einem Deutschen verheiratet und hat drei Kinder. Als Freischaffende Künstlerin arbeitet sie in der Kunstwerkstatt Aktive Schule Kempten.
Die Installation ist bis 21. März in der Christuskirche Kempten (Magnusstraße 33) zu sehen, anschließend wird sie nach Skandinavien geschickt.


