Für die Freiheit der Kirchengemeinden
Für die Freiheit der Kirchengemeinden
Evangelisches Kirchenparlament erteilt Absage an Zentralismus
Die Forderung nach mehr Freiheit für die evangelischen Kirchengemeinden hat die Tagung der bayerischen Landessynode am Donnerstag in Ansbach bestimmt. Zahlreiche Kirchenparlamentarier sprachen sich für das Recht der Gemeinden aus, ihre Arbeitsschwerpunkte in eigener Verantwortung zu bestimmen. "Die Kirchenleitung muss nicht alles reglementieren, damit es richtig gedeiht", erklärte der Nürnberger Stadtdekan Michael Bammessel.
Durch Anforderungen "von oben" gewinne das Gemeindeleben nichts. Aufgabe der Kirchenleitung sei es vielmehr, den Mitarbeitern an der Basis "die Last leicht zu machen", sagte Bammessel. Effiziente Strukturen könnten die personale Präsenz vor Ort nicht ersetzen. Eine Vereinheitlichung des örtlichen Gemeindegeschehens diene nicht der Einheit der Kirche.
Gegen Zentralismus wandte sich auch der Vorsitzende des Grundfragenausschusses des Kirchenparlaments, der Neuendettelsauer Theologieprofessor Wolfgang Stegemann. An der Basis gebe es ein beeindruckendes Maß an Engagement und Kreativität. Dies müsse unterstützt werden. Das Gegenüber von Kirchenleitung und Kirchenvolk bezeichnete Stegemann als überholte Sicht. "Wir brauchen eine Beteiligungskirche, keine Servicekirche", sagte er.
Eine große Rolle in der Debatte spielte die Entlastung der Pfarrer von Verwaltungsaufgaben. Die Synodalin Stefanie Finzel (Bayreuth) schlug vor, in einem Probedekanat Erfahrungen zu sammeln, wie sich Pfarrer wieder stärker auf Hausbesuche und Seelsorge konzentrieren können.
Dass Entlastungsmodelle nicht nur Freude auslösen könnten, prophezeite der Markt Einersheimer Dekan Martin Ost. Er könnte sich durchaus vorstellen, zugunsten eines Geschäftsführers in seinem Dekanat auf eine Pfarrstelle zu verzichten. Dagegen, fürchtet er, werde sich jedoch Widerstand gerade bei den Pfarrern regen, die sonst stets über die Bürokratielast klagten.
Für die katholische Kirche wandte sich der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Helmut Mangold, gegen die Zusammenlegung von Gemeinden zu Mega-Pfarreien. In allen Umfragen werde die Ortsgemeinde besser eingeschätzt als die Gesamtkirche. "Volkskirche muss nicht Massenkirche heißen, sondern Kirche, die nahe beim Volk ist", betonte er. Die Landessynode will die Ergebnisse des Diskussionsprozesses "Kirche vor Ort" als Dokumentation veröffentlichen. Sie soll Grundlage für konkrete Reformschritte sein.


