Gegen zentralistische Kirchenstrukturen
Gegen zentralistische Kirchenstrukturen
Plädoyer für gemeindliche Eigenständigkeit zum Abschluss der Landessynode - (Zusammenfassung)
Mit einem Plädoyer für die Eigenständigkeit evangelischer Kirchengemeinden sowie mit mehreren Beschlüssen zur Theologenausbildung und zur Pfarrstellenbesetzung ist die Frühjahrstagung der bayerischen Landessynode zu Ende gegangen. Mit Blick auf das Schwerpunkthema "Kirche vor Ort" sprachen sich mehrere Synodale am Donnerstag in Ansbach übereinstimmend dafür aus, dass die Gemeinden ihre Arbeitsschwerpunkte eigenverantwortlich festlegen können.
Vor Fusionen zu Großgemeinden warnte vor dem Kirchenparlament der rund 2,6 Millionen Protestanten der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Helmut Mangold. In allen Umfragen werde die Ortsgemeinde besser eingeschätzt als die Gesamtkirche. "Volkskirche muss nicht Massenkirche heißen, sondern Kirche, die nahe beim Volk ist", betonte er.
Gegen zentrale Kirchenstrukturen wandte sich auch der Vorsitzende des Grundfragenausschusses, der Neuendettelsauer Theologieprofessor Wolfgang Stegemann. An der Basis gebe es ein beeindruckendes Maß an Engagement und Kreativität, das unterstützt werden müsse. Das Gegenüber von Kirchenleitung und Kirchenvolk bezeichnete Stegemann als überholte Sicht. "Wir brauchen eine Beteiligungskirche, keine Servicekirche", sagte er.
Durch Anforderungen "von oben" gewinne das Gemeindeleben nichts, fügte der Nürnberger Stadtdekan Michael Bammessel hinzu. Aufgabe der Kirchenleitung sei es vielmehr, den Mitarbeitern an der Basis "die Last leicht zu machen".
Das Kirchenparlament stimmte einem Zusatzprotokoll zum Staatsvertrag zwischen Landeskirche und Freistaat zu, wonach die Zahl der theologischen Lehrstühle verkleinert wird. Danach sollen die Lehrstühle in Bayreuth und Passau sowie einer von drei Lehrstühlen an der Augsburger Theologischen Fakultät wegfallen.
Unterdessen geht der Pfarrstellenabbau weiter. In den Gemeinden und Dekanatsbezirken besteht nach Angaben der landeskirchlichen Personalchefin Dorothea Greiner noch bis 2008 ein Überhang von 7,5 außerplanmäßigen Stellen. Allein von März 2006 bis jetzt seien 14,75 solcher Dienstverhältnisse weggefallen. Derzeit beschäftigt die Landeskirche rund 2.600 Theologen und Theologinnen. Laut Sparvorgaben der Landessynode müssen seit 2003 bis 2012 pro Jahr 23 Millionen Euro eingespart werden. Das entspricht der Streichung von umgerechnet rund 280 Dienstverhältnissen.
Die nächste Synodalversammlung der bayerischen Landeskirche tritt im November in Bamberg zusammen. Zentrales Thema ist die Verabschiedung des landeskirchlichen Haushalts. Sein Volumen beträgt im laufenden Jahr etwa 652 Millionen Euro.


