Das Wort zu Pfingsten

Geistliches Wort | epd - Landesdienst Bayern

Das Wort zu Pfingsten

Eine Sprache, die jeder versteht

Von Oberkirchenrat Stefan Ark Nitsche

Ein Befehl bellt über den Platz. Diesen Ton im Ohr, weiß jeder in der besetzten Stadt, wer das Sagen hat, wo es lang geht und was zu tun ist. Militärischer Drill und uniformes Folgen. Die dazugehörige Sprache ist gewalttätig und tut weh. Das ist nicht die Sprache von Pfingsten.

Seine Worte schallen über den Platz, als der Apostel Petrus, vom Geist Gottes getrieben das Evangelium von Jesus Christus verkündigt. Tausende Menschen hören seine Botschaft der Liebe und wissen sich urplötzlich angesprochen. Sie verstehen - obwohl sie doch nicht dieselbe Sprache sprechen. Lukas schildert dies in der Apostelgeschichte und zählt die Landstriche aus der damals bekannten Ökumene auf, aus denen die Zuhörer der Pfingstpredigt kommen - Gegenden, in denen die jeweils anderen fremd und unverständlich sind.

In dieser Vielstimmigkeit verschiedener Sprachen und Herkunft hören die Menschen plötzlich eine Stimme, die sie verstehen. Es ist nicht die gewohnte Befehlsstimme der römischen Besatzer, sondern - die Stimme der Liebe, der Liebe Gottes, die die Menschen sucht.

Diese Sprache versteht jeder. Sie ist warm wie eine gute Hand, freundlich wie ein Lächeln. Sie lädt ein, sie wirbt ohne zu drängen und befiehlt nicht. Sie baut auf statt zu zerstören. Sie schafft Gemeinschaft, aber nicht Uniformität. Sie meint jeden gleichermaßen, betreibt jedoch keine Gleichmacherei. Sie begründet das Miteinander der Verschiedenen ohne die Unterschiede zu verwischen. Die Verschiedenen tragen und ertragen einander. Sie lernen es, in versöhnter Verschiedenheit zu leben.

Denn der Geist von Pfingsten schafft Verbindung. Gott nimmt Kontakt auf zu den Menschen, er lässt sich hören in einer Sprache, die sie verstehen. Und Menschen begegnen einander über Sprachgrenzen hinweg - auch über die der jeweils eigenen Glaubens- und Konfessionssprache. Aus den Vielen wird eine Gemeinde.

Pfingsten sagt man, ist das Fest der Kirche - ihr Geburtstag gewissermaßen. Denn wo Menschen in den Worten der Verkündigung Gott verständlich reden hören - da entsteht Kirche. Da ist Kirche.

Wo Menschen in Verbindung mit Gott kommen, wo der Heilige Geist die Stimme Gottes vernehmbar werden lässt, da ist Kirche. Dies ereignet sich jenseits von Sprachgrenzen, jenseits bisheriger Prägung und kirchlicher Erfahrung.

Es ereignet sich überraschend und nicht im Befehlston. Überraschend und unerwartet. Denn Gottes Geist lässt sich nicht in ein Schema und nicht in festgelegte Abläufe pressen. Er ist für menschliche Macher nicht verfügbar.

Pfingsten und auch die Kirche sind nicht wie ein Großevent planbar, auch nicht strukturell organisierbar - sie sind ein Ergebnis des Redens Gottes durch seinen Heiligen Geist - in einer Sprache, die jeder versteht. Was wäre, wenn wir uns darauf einließen?

Oberkirchenrat Stefan Ark Nitsche teilt sich mit seiner Ehefrau Oberkirchenrätin Elisabeth Hann von Weyhern das Amt des Regionalbischofs im Kirchenkreis Nürnberg

(Artikel vom 22.05.2007)