Erster Stolperstein in München auf privatem Grund
Erster Stolperstein in München auf privatem Grund
Der erste Stolperstein auf privatem Grund zur Erinnerung an einen ermordeten jüdischen Bürger Münchens wird am 1. September verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, der die Idee entwickelt hat, wird den Stein zum Gedenken an Heinrich Oestreicher in der Schwabinger Viktor-Scheffel-Straße 19 anbringen. Der Kaufmann war im Juli 1942 nach Theresienstadt verschleppt und im März 1943 dort ermordet worden.
Der Stolperstein wird auf privatem Besitz angebracht, nachdem die Stadt München im Jahr 2004 die Verlegung auf öffentlichem Gelände verboten hatte. Reiner Bernstein von der Initiative "Stolpersteine für München" sagte dem epd, er erwarte, dass von der privaten Aktion ein Signal an die Stadt ausgehe, ihre Entscheidung zu überdenken. Seine Initiative befinde sich mit weiteren Hauseigentümern im Gespräch. Bis Ende des Jahres könnten bis zu 20 Stolpersteine verlegt sein. Auch der Bezirksausschuss Isarvorstadt habe Hausbesitzern empfohlen, vormaligen Bewohnern mit Stolpersteinen zu gedenken.
Bernstein sagte, er hoffe, dass sich auch die Meinung der Israelitischen Kultusgemeinde ändern werde. Deren Präsidentin Charlotte Knobloch hatte die Stolpersteine abgelehnt, weil so mit Schuhen auf den Namen von Opfern des Naziregimes getreten werden könne. "Mit dieser Argumentation müsste man die Gedenkstätte in Dachau schließen", so Bernstein. Dort seien überall Menschen geschändet worden.
Gunter Demnig verlegt seit 1994 Stolpersteine in Deutschland und Österreich. Nach Angaben von Reiner Bernstein liegen bisher in 250 Städten mehr als 12.000 solcher Steine. In München gebe es bereits 24 Stolpersteine in der Hochschule für Musik, also auf landeseigenem Grund. Die zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquader tragen eine Messingplatte, auf denen die Namen und Lebensdaten der Opfer stehen. Alle Steine beginnen mit den Worten "Hier wohnte ..." und stellen damit einen direkten Bezug zu den Häusern und Straßen her, in denen die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung lebten.


