Kirchen wollen keinen "goldenen Vorhang" in Europa dulden

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Kirchen wollen keinen "goldenen Vorhang" in Europa dulden

Ökumene-Experte: Europäische Union muss sich als Wertegemeinschaft bewähren

Die Kirchen in Europa wollen keinen goldenen Vorhang zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Rest Europas dulden. "Europa ist mehr als die EU", meint der Ökumene-Referent der bayerischen evangelischen Landeskirche, Ivo Huber, mit Blick auf die Dritte Ökumenische Versammlung. Bei dem internationalen Christentreffen, das am Dienstag im rumänischen Sibiu (Hermannstadt) beginnt, gehe es darum, deutlich zu machen, dass sich Europa als Wertegemeinschaft bewähren muss.

"Die Kirchen in Europa wollen die EU, aber nicht als Wirtschaftsgemeinschaft allein, sondern als Wertegemeinschaft", sagte der Ökumene-Experte Huber der evangelischen Wochenzeitung für Bayern "Sonntagsblatt" (München). Damit sei nicht nur die EU, "sondern das ganze Europa bis hin nach Russland gemeint." Bei der Versammlung in Sibiu müssten sich die Kirchen auf klare Aussagen verständigen, "wie sie sich einbringen können".

Entscheidend sei, ob es den Kirchen gelingt, mit einer klaren Programmansage zu Europa sich als unverzichtbare gestaltende Kraft zu erweisen. Dabei könnten sie auf Erfahrungen der ersten beiden Ökumenischen Versammlungen 1989 in Basel und 1997 in Graz zurückgreifen, die auf öffentliches Interesse gestoßen seien. Das Treffen könne Anstöße geben und Perspektiven aufweisen, "die dann hoffentlich den Menschen einsichtig und vielversprechend sind, sodass sie aufgenommen werden", so Huber.

Beraten werden sollen in Sibiu Themen wie die europäische Einheit, das Verhältnis der Kirchen zueinander, Religionen und Migration, christliche Spiritualität und die Folgen des Klimawandels. Zu den Hauptrednern zählen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber, der orthodoxe Ökumenische Patriarch Bartholomäus, Kurienkardinal Walter Kasper, Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad sowie der Präsident der EU-Kommission, Manuel Barroso. Das internationale Christentreffen mit rund 2.000 Delegierten steht unter dem Motto "Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung für Erneuerung und Einheit in Europa".

(Artikel vom 02.09.2007)