Akkordeonspieler und Postbote beim Jesuskind

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Akkordeonspieler und Postbote beim Jesuskind

Internationaler Krippenkongress tagt in Augsburg

Von Jutta Olschewski (epd)

Im Ladengeschäft eines Nürnberger Fachwerkhauses ist Jesus nicht geboren. Er hat nach der Überlieferung weder in den tief verschneiten Allgäuer Alpen gefroren, noch suchten ihn die Heiligen Drei Könige im Renaissancehof eines Regensburger Hauses. Vermutlich waren keine Schuhplattler bei der Geburt dabei. Und trug Maria ein Dirndl?

Krippenbauer auf der ganzen Erde haben sich in allen Zeiten ihre eigenen Gedanken um das biblische Geschehen gemacht und ihre Fantasie spielen lassen. Der eine ersetzte die Heiligen Drei Könige durch Kinder, der andere lässt einen Akkordeonspieler zur Ehre des Gotteskindes musizieren. Wer die Geburt Christi nach New York versetzt, darf das tun, eine afrikanische Bambushütte taugt als Kulisse ebenso.

"Wir schauen in unseren Krippen nicht nur das Geheimnis Gottes, sondern auch ein Geheimnis der Würde des Menschen", sagt der Präsident von "UN-FOE-PRAE", dem Internationalen Krippenverband, Thomas Frauenlob. "Gott wird Mensch", ist das Motto des Weltkrippenkongress, zu dem von Mittwoch (23. Januar) an in Augsburg etwa 400 Menschen aus aller Welt zusammenkommen. Ihre Leidenschaft gehört dem Bau und der Tradition der Krippen. Sie werden bei ihrem "Familientreffen" die religiösen, künstlerischen und volkskundlichen Aspekte der Krippenbaukunst debattieren. Auch die Spuren bekannter Krippenschnitzerschulen können die Teilnehmer bei ihrem Besuch in Bayern verfolgen. Dazu dient ein Besuch in Oberammergau.

Für Krippenliebhaber ist die Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte mehr als Bühnenbild oder Spielzeugmodell. Sie lesen mit Leidenschaft in den Figuren und Hintergrundbildern und deuten Symbole. Drei Säulen einer Tempelruine versinnbildlichen Glaube, Hoffnung und Liebe, die Grundbegriffe des Christentums, klärt der Katalog einer Krippenausstellung über eine Oberammergauer Krippe auf. Auch ein Postbote kann in einer Krippe vorkommen, erfährt man vom Krippenexperten Gerhard Bogner in "Das neue Krippenlexikon". Der Postbote könne als Sinnbild für die weihnachtliche Frohe Botschaft dienen.

Die internationalen Kongress-Gäste werden sich auch Krippen in privaten Wohnzimmern im schwäbischen Günzburg und Umgebung ansehen. Im sogenannten "schwäbischen Barockwinkel" steht in vielen Häusern die seit Generationen weitergegebene Krippe. Kleine Schätze, die oft Stationen sind beim Brauch des "Krippenlaufens". Dass Nachbarn und andere Neugierige zwischen dem zweiten Weihnachtfeiertag und dem Dreikönigstag nachmittags zum Anschauen der Krippe kommen, ist auch in anderen Gegenden Bayerns und Österreichs üblich.

Alle vier Jahre veranstaltet der Internationale Weltkrippenverband "UN-FOE-PRAE", der seinen Sitz in Rom hat, seine Konferenz. Dass diese nicht in der Weihnachtszeit stattfindet, stört die Krippenfreunde nicht. Denn: Krippen gibt es für alle Jahreszeiten. Nachprüfen kann man das auch in den derzeit in Augsburg stattfindenden hochkarätigen Ausstellungen. Dass die "Hochzeit von Kana" in einer Kulisse des 18. Jahrhunderts und die alttestamentliche "Arche Noah" nach der Sintflut auf einem Berg gelandet ist, sind nur zwei von vielen kunterbunten Darstellungen biblischer Szenen.

(Artikel vom 23.01.2008)