In Bayreuth wurde einst evangelische Kirchengeschichte geschrieben
In Bayreuth wurde einst evangelische Kirchengeschichte geschrieben
Die bayerische Landessynode beginnt am Sonntag
Von Bernd Mayer (epd) =
Einst standen Bayreuths Schulkinder Spalier, wenn die evangelische Landessynode unter Glockengeläut zum Eröffnungsgottesdienst zur Stadtkirche zog. Neben Ansbach war Bayreuth der "Heimatort" des protestantischen "Kirchenparlaments", wie es ein früherer Synodalpräsident ausdrückte. In den letzten Jahrzehnten büßte Bayreuth seine einstige überragende Bedeutung als bayerische Synodenstadt ein, aber ein Privileg blieb bis heute erhalten: Alle sechs Jahre ist sie Austragungsort der konstituierenden Tagung, so auch in der kommenden Woche, von Sonntag an bis einschließlich Donnerstag.
Weil die einsturzgefährdete Bayreuther Stadtkirche noch auf Jahre hinaus Baustelle sein wird, findet der Eröffnungsgottesdienst am Sonntagabend um 17 Uhr erstmals in der markgräflichen Ordenskirche im Stadtteil St. Georgen statt. In einer einstündigen Live-Sendung wird das Bayerische Fernsehen die Vereidigung der neuen Synodalen durch Landesbischof Johannes Friedrich übertragen.
Am Montag früh beginnt dann die erste Arbeitssitzung. Im Blickpunkt stehen vor allem die Wahlen des Präsidiums, des Landessynodalausschusses sowie der übrigen Ausschüsse. Die 105 stimmberechtigten Synodalen haben unter anderem einen neuen Präsidenten zu wählen, nachdem die bisherige Amtsinhaberin, die Coburgerin Heidi Schülke, nicht mehr zur Verfügung steht. Als mögliche Nachfolgerin gilt die bisherige Vizepräsidentin der Landessynode Dorothea Deneke-Stoll (Ingolstadt). Auch der Wunsiedler Landrat Peter Seißer soll im Gespräch sein.
Traditioneller Tagungsort ist das das Bayreuther Evangelische Gemeindehaus. In dem fast achtzig Jahre alten Saalbau im Stadtzentrum wurde in den vergangenen 75 Jahren protestantische Kirchengeschichte geschrieben. Die vielleicht bedeutsamste Tagung jährt sich heuer zum 75. Mal: Am 4. Mai 1933 wählte hier die Synode Hans Meiser zum ersten Landesbischof und stattete ihn mit besonderen Vollmachten aus. Das "Bayreuther Tagblatt" schrieb damals: "Synode bekennt sich zum Führerprinzip." Auch der zweite Landesbischof Hermann Dietzfelbinger wurde 1955 in der Wagnerstadt gewählt.
Bei der ersten Tagung der Landessynode nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1947, war Bayreuth noch eine Ruinenstadt. Drei Jahre später beschloss das Kirchenparlament hier ein Kirchengesetz, das einen eindeutigen Trennungsstrich zwischen politischer Tribüne und Kanzel zog. Die Pfarrer, von denen nicht wenige mit dem Dritten Reich verfilzt waren, wurden zur politischen Mäßigung aufgerufen.
Lange Zeit waren die Frauen von jeder Mitwirkung ausgeschlossen. Entgegen einer Empfehlung des Landessynodalausschusses verweigerte die Synode 1953 in Bayreuth den Frauen das passive Wahlrecht. So blieben die Herren noch weitere sechs Jahre unter sich, bis endlich die ersten weiblichen Synodalen ihren Einzug hielten. In den späten 1960er Jahren begann dann das zähe Ringen um ein Theologinnengesetz, das dann den Frauen den Weg zu Kanzel und Altar frei machte.
Internet: www.bayern-evangelisch.de.


