Ehrendoktorwürde der Augustana-Hochschule überreicht

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Ehrendoktorwürde der Augustana-Hochschule überreicht

Jüdische Theologinnen Ruth Lapide und Susannah Heschel ausgezeichnet

Die jüdischen Theologinnen Ruth Lapide (Frankfurt am Main) und Susannah Heschel (Dartmouth College/USA) haben die Ehrendoktorwürde der evangelischen Augustana-Hochschule in Neuendettelsau (Kreis Ansbach) erhalten. Bei einem akademischen Festakt am Dienstagabend würdigte die Theologenausbildungsstätte der bayerischen Landeskirche die wissenschaftlichen Verdienste der beiden Professorinnen.

Mit ihrer vorurteilsfreien Auslegung der Bibel habe Ruth Lapide deutlich gemacht, dass es keine judenfeindliche Definition des Christentums geben könne, erklärten Vertreter der Hochschule. Ohne die hebräische Bibel, das Alte Testament, könne das Neue Testament nicht verstanden werden. Ruth Lapide habe Feindbilder abgebaut, negative Stereotype überwunden und Fehlübersetzungen der Bibel korrigiert. Damit habe sie zur christlich-jüdischen Versöhnung beigetragen.

Die 1929 im mittelfränkischen Burghaslach geborenen Ruth Lapide entstammt einer jüdischen Familie, die seit dem 12. Jahrhundert in Deutschland nachweisbar ist. Sie floh mit ihrer Familie vor dem Nationalsozialismus nach Palästina, kehrte aber in den 70er Jahren mit ihrem Ehemann, dem 1997 verstorbenen jüdischen Theologen Pinchas Lapide nach Deutschland zurück.

Deutsche Wurzeln hat auch Susannah Heschel. Die Lehrstuhlinhaberin für Jüdische Studien am Dartmouth College (USA) wurde als Tochter des von den Nationalsozialisten vertriebenen Frankfurter Rabbiners Abraham Joshua Heschel geboren. Feminismus und Frauenforschung bilden neben der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Judentum und Christentum im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte.

Ihre Aufsatzsammlung "On Being a Jewish Feminist: A Reader" ist in den USA ein Standardwerk. Für ihr Werk "Der jüdische Jesus und das Christentum" erhielt sie internationale Auszeichnungen. Susannah Heschel lehrt derzeit als Franz-Rosenzweig-Gastprofessorin in Kassel.

(Artikel vom 29.04.2008)