"Alphabetisierung" in demokratischem Bewusstsein
50-Jahr-Feier des Evangelischen Bildungszentrums Alexandersbad
Bayerns evangelischer Landesbischof Johannes Friedrich hat die "Alphabetisierung der Menschen in demokratischem Bewusstsein" als eine wesentliche Aufgabe evangelischer Bildungsarbeit bezeichnet. Christen seien aufgefordert, Grundrechte, Menschenrechte und Menschenwürde gegen Radikale von rechts und von links zu verteidigen und die demokratische Kultur mitzugestalten, sagte Friedrich am Sonntag bei der 50-Jahr-Feier des Evangelisch-Lutherischen Bildungs- und Tagungszentrums Alexandersbad (Landkreis Wunsiedel).
Es gehöre zum kirchlichen Bildungsauftrag, Menschen als aktive demokratische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zu gewinnen. Diese dürften das politische Geschäft nicht "denen da oben" überlassen, sondern müssten sich "dem billigen Populismus und dem gewalttätigen radikalen Mob entgegenstellen". Im Übrigen sei auch die "Alphabetisierung in Glaubensdingen" eine Aufgabe und Chance evangelischer Bildungszentren, so der Bischof. Heute müsse die Kirche stärker als früher die Botschaft von Kreuz verdeutlichen und erklären, weshalb es sich lohne, etwas vom christlichen Glauben zu verstehen.
In seinem Festvortrag zum Jubiläum bezeichnete der Wittenberger Pfarrer und Publizist Friedrich Schorlemmer die Alexandersbader Bildungsstätte als "Grenzort und Grenzüberschreitungsort". Hier sei der Prozess der deutschen Wiedervereinigung in beispielhafter Weise begleitet worden. An der Nahtstelle unweit des einstigen "Eisernen Vorhangs" habe das Bildungszentrum nach 1989 die Herausforderungen angenommen und aufgenommen. "Was Bildung kann und will, hat sich hier praktisch bewährt", sagte Schorlemmer.
Besonders lobte der Theologe die offene Atmosphäre der Diskussion in dem Haus: "Dieser Ort ist und bleibt ein Ort, wo die `gebildetete Nation` sich nichts einbildet, wohl aber Lust hat am Sich-Bilden." Oberkirchenrat Gerhard Frey-Reininghaus von der Kirche der Böhmischen Brüder (Prag) würdigte die Rolle der Bildungsstätte bei der Begegnung und Versöhnung von Deutschen und Tschechen.
Das evangelische Bildungszentrum im oberfränkischen Bad Alexandersbad war 1958 als zweite so genannte Heimvolkshochschule in Bayern eröffnet worden. Zielgruppe waren in den ersten Jahrzehnten vor allem Landfrauen, Landwirte sowie Arbeiter aus den Industriebetrieben der Region. Seit 2006 ist hier auch die Geschäftsstelle des Bayerischen Bündnisses für Toleranz angesiedelt, das von der bayerischen evangelischen Landeskirche maßgeblich getragen wird.