Evangelische Kirche will "Land gewinnen" -

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Evangelische Kirche will "Land gewinnen" -

Landesbischof Friedrich und Ulmer Prälatin Wulz bei unterfränkischem Kirchentag

Die evangelische Kirche will sich verstärkt unterschiedlichen Entwicklungen in ländlichen Räumen widmen. Dies unterstrichen der evangelische bayerische Landesbischof Johannes Friedrich und die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz beim 4. Unterfränkischen Kirchentag am Sonntag in Castell (Kreis Kitzingen). Etwa 1.500 Besucher versammelten sich dazu unter dem Motto "Kirche im Land - den Wandel gestalten" im Schlosspark des Fürstenhauses Castell-Castell. .

Im Auftaktgottesdienst beschrieb Friedrich Geschwisterlichkeit, Integrationskraft und Versöhnungsbereitschaft als maßgebliche biblische Grundsätze bei der Gestaltung des Wandels in ländlichen Räumen. Wie die Dörfer verändere sich auch die Kirche. Neue Gottesdienstformen, der Umgang mit Zugezogenen und verschiedene Frömmigkeitsstile stellten die Gemeinden vor neue Herausforderungen.

In der Diskussion mit Kirchentagsbesuchern wies der Bischof darauf hin, dass die bayerische Landeskirche 2030 voraussichtlich nur noch über 50 Prozent der Kirchensteuereinnahmen von heute verfügen werde, dennoch aber in der Fläche präsent bleiben wolle. Die Gemeinden sollten sich deshalb schon jetzt über neue Kooperationsmodelle Gedanken machen.

Analysen, Chancen und Aufgaben der Kirche in ländlichen Räumen stellte die Ulmer Prälatin Wulz vor. Die württembergische Theologin hatte an einer 2007 veröffentlichten Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu diesem Thema mitgearbeitet. Lange Zeit habe das Interesse der kirchlichen Entscheidungsträger beinahe ausschließlich der "Kirche in der Stadt" gegolten, sagte die Prälatin. Inzwischen werde immer deutlicher, dass es auch auf dem Land - "einst Reservoir, Rückgrat und Seele der Kirche" - längst keine stabilen Verhältnisse mehr gebe.

Besonders in Ost- und Mitteldeutschland seien Landflucht, Überalterung und infrastrukturelle Ausdünnung zu spüren, betonte Wulz. Weil die Kirche als Institution und der Glaube des Einzelnen auch auf dem Dorf hinterfragt werde, sei es anstrengender geworden, als Christenmensch zu leben. In strukturschwachen Räumen mit schwindender Mitgliederzahl sollten regelmäßig Gottesdienste gefeiert und die Dorfkirchen erhalten werden. Notwendig sei auch ein kirchlicher Ansprechpartner vor Ort, der nicht notwendigerweise hauptamtlicher Mitarbeiter sein müsse.

(Artikel vom 29.06.2008)