Kirche braucht missionarisches Profil
Kirche braucht missionarisches Profil
Neuer Regionalbischöfin Greiner liegt "spirituelle Kompetenz" am Herzen
Von Achim Schmid
Die neue Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat ein Stück bayerischer Kirchengeschichte mitgeschrieben. Vor knapp zehn Jahren wurde die heute 49-jährige Theologin als erste Frau in die Kirchenleitung der 2,6 Millionen bayerischer Protestanten berufen. Als Oberkirchenrätin und Personalchefin ist Greiner, zuständig für die rund 2.600 evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Freistaat. Inzwischen ist der Landeskichenrat schon längst ein Gruppenbild mit Damen: Neben Dorothea Greiner gehören drei weitere Oberkirchenrätinnen dem Leitungsgremium an.
In ihrem Führungsamt brauchte die Theologin vor allem Beharrlichkeit, Zuversicht und Überzeugungskraft. Auf die finanziellen Engpässe und Verschiebungen des evangelischen Bevölkerungsanteils in Bayern reagierte die Landeskirche mit mehreren umfassenden "Landesstellenplanungen". Dadurch sollten in einzelnen Gebieten Stellen reduziert, dafür aber in protestantischen Zuwachs-Gebieten, wie etwa der neuen Münchner Flughafen-Region, neue Stellen geschaffen werden.
Vor den Landessynoden warb die Personalchefin, die vorher Studienreferentin am Predigerseminar Bayreuth und im Teildienst Gemeindepfarrerin im oberbayerischen Holzkirchen war, immer wieder mit Argumenten und Schaubildern für die neue Verteilung der Pfarrstellen. Die Vorschläge lösten bei Gemeinden aber auch Verunsicherung und handfeste Kritik aus. Dabei war es ein Anliegen Greiners, dass die flächendeckende Versorgung mit Pfarrern und Pfarrerinnen auch unter geänderten Rahmenbedingungen erhalten bleibt. Auch bei der "Landesstellenplanung 2010" werde es zu keinem gravierenden Personalabbau kommen, ist sie überzeugt.
Bei der Ausbildung der angehenden Pfarrer und Pfarrerinnen liegt Greiner neben der Vermittlung des nötigen Fachwissens vor allem die "christlich-spirituelle Kompetenz" am Herzen. Gesellschaft und Kirche brauchten gleichermaßen Menschen, die "begeistert und unaufdringlich, mit fröhlicher Ernsthaftigkeit von Gott und Jesus Christus reden können".
Auch die Kirche selbst wünscht sich die künftige Regionalbischöfin mit einem deutlicheren missionarischeren Profil. Bei einer Predigt in der Bayreuther Stadtkirche beschrieb sie die ihrer Ansicht nach bei vielen Christen verbreitetete Mentalität auf gut fränkisch mit den Worten: "A weng Zen, a weng Weihnachten und die bunten Buddha-Armbändchen sind eigentlich auch ganz hübsch".
Als Regionalbischöfin in dem traditionsreichen evangelischen Kirchenkreis Bayreuth/Oberfranken kann die Theologin, die über das Thema "Segen und Segnen" promoviert hat, das Profil der Kirche prägen und repräsentieren auch gegenüber der katholischen Kirche. Zum ersten Mal in der langen Geschichte des Christentums in Oberfranken hat jetzt der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick eine Frau als ökumenische Ansprechpartnerin.
Wenn neben den vielen Terminen und Sitzungen noch Zeit bleibt, arbeitet Dorothea Greiner, die mit einem Pfarrer verheiratet ist und zwei inzwischen erwachsene Söhne hat, gerne im Garten und macht Musik.


