Afghanistan-Einsatz bringt neue Aufgaben für Militärseelsorge
Afghanistan-Einsatz bringt neue Aufgaben für Militärseelsorge
Kirchliche Prägung bei Soldaten nimmt ab
Die Auslandseinsätze der Bundeswehr in Afghanistan sorgen für Veränderungen in der Militärseelsorge. "Wir müssen unser Konzept kontinuierlich den Anforderungen anpassen", erklärte der evangelische Militärdekan für Bayern, Württemberg und Baden, Alfred Gronbach, am Wochenende bei einer Tagung zur "Transformation der Bundeswehr" in der Evangelischen Akademie Tutzing.
Anfangs habe die evangelische Kirche ihre Seelsorger in Afghanistan nur an zwei Standorte entsendet. Inzwischen verfüge jeder Standort über einen Militärpfarrer. In der extremen Situation der Auslandseinsätze sei es Aufgabe der Pfarrer, die Soldaten zu begleiten und seelsorgerlich zu betreuen. "Großes Gesprächsthema in Afghanistan ist die Gefährdungssituation der Truppe", sagte Gronbach. Aber auch Beziehungs- und Partnerschaftsprobleme würden häufig angesprochen.
Als Herausforderung für die Militärseelsorge bezeichnete der Militärdekan den Umgang mit den mehr als 60.000 internationalen Mitarbeitern militärbezogener Dienstleistungsfirmen im Land. "Für diese Menschen gibt es keine verfasste Ordnung und auch keine seelsorgerliche Betreuung", sagte Gronbach. Die Militärseelsorge sei gefordert, sich damit zu befassen.
Im Blick auf die Zukunft der Militärseelsorge bezeichnete der ehemalige Militärdekan Wolfgang Schulz die Konfessionsfrage als wichtiges Thema: "Früher waren rund 80 Prozent der Soldaten katholisch oder evangelisch, heute sind 40 Prozent der Soldaten konfessionslos", sagte Schulz. Dies habe auch Auswirkungen auf die Arbeit der Militärseelsorge.
Gleichwohl habe sich das Grundkonzept der Militärseelsorge der "kritischen Solidarität" bewährt. Dem Militärseelsorge-Vertrag von 1957 zwischen der Bundesrepublik und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zufolge sind die Geistlichen in ihrer kirchlichen Arbeit frei von staatlicher Einflussnahme. Damit könnten Militärseelsorger "immer in der Distanz bleiben" und dennoch die Soldaten "solidarisch begleiten, ohne dabei angepasst zu sein", sagte Schulz.


