Kirchenhochschule auf Erfolgskurs
Kirchenhochschule auf Erfolgskurs
In Nürnberg bildet die evangelische Landeskirche Sozialexperten aus
Die Evangelische Fachhochschule Nürnberg platzt im zehnten Jahr ihres Bestehens aus allen Nähten. Ein Ausbauprogramm, finanziert vom Freistaat Bayern und der Landeskirche, soll in den nächsten Jahren 250 zusätzliche Studienplätze schaffen. Derzeit zählt die Kirchenhochschule in ihren drei Fachbereichen Soziale Arbeit, Pflegemanagement und Religionspädagogik 1.037 Studierende.
Hochschulpräsident Hans-Joachim Puch rechnet mit einem anhaltenden Trend, in die Sozial- und Gesundheitsberufe zu gehen. Die Zahl der Online-Bewerbungen für das Wintersemester 2008/2009 spricht eine deutliche Sprache: 1.876 Studienanfänger gegenüber 1.480 im Vorjahr meldeten ihr Interesse an der Evangelischen Fachhochschule an. Genommen werden konnten nur 275 und das waren schon 38 mehr als eigentlich Platz haben. Von "Überlast" spricht Puch. Rund 25 Prozent seiner mehr als tausend Studienplätze seien betriebswirtschaftlich gesehen "nicht ausfinanziert".
Zupass kommt in dieser Situation der Hochschulpakt des Bundes und der Länder. In seinem Rahmen hat sich der Freistaat Bayern verpflichtet, 38.000 neue Studienplätze zu schaffen. Die Nürnberger Kirchenhochschule gehört zu den Nutznießern dieses Kapazitätsausbaus vorausgesetzt die bayerische Landeskirche macht mit. Sie müsste 17 Prozent der Kosten übernehmen. Zwar steht die Entscheidung der Landessynode noch aus, aber die Zeichen stehen gut. Landeskirchenrat und Landessynodalausschuss haben bereits zugestimmt, freilich mit der skeptischen Anmerkung, dass die an der Kirchenhochschule hochkarätig ausgebildeten Absolventen danach auch entsprechend finanzierte Stellen finden sollten.
Hochschulpräsident Puch macht sich da keine Sorgen. Er verweist auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, wonach die Nachfrage nach Sozialpädagogen nach wie vor erstaunlich hoch ist. "Hinter uns steht ein riesiger Arbeitsmarkt, der genau die Leute braucht, die wir ausbilden", sagt er selbstbewusst. Das gelte auch für die Masterstudiengänge Sozialmanagement und Erwachsenenbildung, deren Absolventen auf gut dotierte Top-Positionen drängen.
Die Nürnberger Kirchenhochschule hat nicht nur Anteil am allgemeinen Run, der den bayerischen Fachhochschulen zu Beginn des Wintersemesters zwölf Prozent Zuwachs bei den Studienanfängern bescherte. Das "Evangelisch" im Namen bringt ihr einen Sondervorteil. Rund 40 Prozent der Studierenden 80 Prozent sind übrigens Frauen kommen aus einem kirchlich engagierten Elternhaus oder sind selbst ehrenamtlich aktiv. Das gibt dem Hochschulleben ein ethisches Grundgerüst, das nach Puchs Beobachtung die Absolventen der Kirchenhochschule auch für kommunale oder andere nicht-konfessionelle Anstellungsträger attraktiv macht.
"Wir bilden für die gesamte Wohlfahrtspflege in ihrer weltanschaulichen Pluralität aus", sagt Puch. Wenn im Zuge von Verteilungskämpfen zwischen den Hochschulen wieder einmal die Frage gestellt wird, warum der Staat kirchliche Hochschulen finanziert, dann kann er zudem auf die Realität des bayerischen Sozialmarktes verweisen: "Wenn 70 Prozent der Wohlfahrtspflege von Caritas und Diakonie geleistet werden, dann muss es auch kirchliche Ausbildungsstätten geben." Hohe Wertschätzung erweisen der Hochschule nicht zuletzt die eigenen Absolventen. 95 Prozent würden laut einer repräsentativen Umfrage ihren Kinder empfehlen, wiederum dort zu studieren.
Die Evangelische Fachhochschule Nürnberg entstand 1998 aus den Zusammenschluss der Religionspädagogik-Ausbildung in München mit der in Neuendettelsau ansässigen Pflegewissenschaft und der Stiftungsfachhochschule für Sozialpädagogik in Nürnberg, dem größten der drei Fusionspartner. Nach heftigem Standortstreit setzte sich Nürnberg gegen Neuendettelsau durch. "Neu verwurzelt" heißt deshalb das Motto des Festaktes, zu dem am Mittwoch, (29.Oktober) Wissenschaftsminister Thomas Goppel erwartet wird.


