Johanna Haberer will Bischöfin in Berlin werden

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Johanna Haberer will Bischöfin in Berlin werden

Professorin einzige Frau auf der Kandidatenliste um Nachfolge von Wolfgang Huber

Für Johanna Haberer ist das, was mit ihrer Kandidatur um die Nachfolge von Wolfgang Huber (66) als Berliner Bischof auf sie zukommt, nicht ganz neu: Denn vor zehn Jahren hat sie schon einmal für ein Bischofsamt zur Wahl gestanden. Damals war sie mit ihren 42 Jahren nicht nur die jüngste der Kandidaten, sondern in ihrer bayerischen evangelischen Heimatkirche auch die erste Frau, die für das Bischofsamt vorgeschlagen wurde.

Seither hat sie als Autorin, Chefredakteurin der kirchlichen Wochenzeitung "Sonntagsblatt" in Bayern, Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Hochschullehrerin wiederholt neue Aufgaben übernommen und dabei wichtige Erfahrungen gesammelt, die für das angestrebte Spitzenamt durchaus hilfreich sind. Dabei kam ihr auch zugute, dass sie gern auf Menschen zugeht, das Gespräch sucht, zuhören und - wo nötig - in Konflikten vermitteln kann. Und sie hat dabei Leitungserfahrung gesammelt und gelernt, gesamtkirchliche Verantwortung zu tragen. All das könnte sie im Bischofsamt gut brauchen.

Als Bischöfin würde sie nach eigenem Bekunden gern Seelsorgerin ihrer Pfarrerinnen und Pfarrer sein, Seelsorge und Leitung miteinander verbinden, aber auch theologische und politische Interessen in der Kirche moderieren. Und sie will auf der Seite der sogenannten kleinen Leute stehen, will Stimme derer sein, die sonst keine Stimme haben und heute immer mehr zu Verlierern zu werden drohen.

Inhaltlich ist der engagierten Theologin, die in München geboren und in einem Pfarrhaus mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist, neben der Seelsorge aber auch Bildung für alle wichtig. "Der Zugang zur Bildung ist ein vorrangiges Thema einer reformatorischen Kirche", sagt sie. Dazu gehöre auch die Frage des schulischen Religionsunterrichts. Dieses Thema sei zu wichtig, "um es für Macht- und Kulturkämpfe zu missbrauchen". Darum müsse sich der Staat aus der Wertevermittlung heraushalten, betont sie mit Blick auf den Berliner Streit um das schulische Pflichtfach Ethik und die Gegeninitiative "Pro Reli", die eine Gleichstellung des Religionsunterrichts anstrebt.

Johanna Haberer hat in München und Erlangen Germanistik, Theaterwissenschaften und Evangelische Theologie studiert. Es folgten von 1981 bis 1983 Vikariat und erstes Pfarramt im oberbayerischen Schongau. Von 1985 bis 1989 war sie Referentin für lokalen und regionalen Hörfunk im Evangelischen Presseverband für Bayern und baute die Evangelische Funkagentur (efa) auf. Es folgten Stationen als Redakteurin von 1990 bis 1993 bei der Evangelischen Filmgesellschaft EIKON und als Chefredakteurin im Presseverband ihrer bayerischen Heimatkirche. Im Oktober 1997 übertrug ihr der Rat der EKD das Amt der Rundfunkbeauftragten, im April 2001 wurde sie Professorin für Christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, der sie seit 2008 auch als Vizepräsidentin vorsteht.

Zu ihrer langen Liste neben- oder ehrenamtlicher Tätigkeiten gehören vor allem ihre zahlreichen Hörfunk- und Fernsehpredigten. Ab 2002 gehörte sie mehrere Jahre lang zum Sprecherkreis des "Wortes zum Sonntag", seit 2003 ist sie Erlanger Universitätspredigerin. Sie ist zudem Mitherausgeberin der 15-bändigen Studien zur Christlichen Publizistik und sitzt seit 1999 im Aufsichtsrat des Sozialunternehmen "Augustinum", das ihr Vater gegründet hat und heute bundesweit 21 Wohnstifte für Senioren betreibt.

(Artikel vom 13.02.2009)