Bayern will Komasaufen stoppen
Bayern will Komasaufen stoppen
Sozialministerin Haderthauer kündigt Meldepflicht an
Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) will das Komasaufen Jugendlicher stoppen. Sie kündigte bei einem Besuch von Suchthilfeeinrichtungen der Diakonie am Montag in Altdorf bei Nürnberg die Einführung einer gesetzlichen Meldepflicht für Ärzte an.
Die Mediziner sollen künftig die Personalien von Kindern und Jugendlichen, die volltrunken ins Krankenhaus eingeliefert werden, den Jugendämtern verpflichtend mitteilen. Die Gesellschaft dürfe nicht tatenlos zuschauen, wie eine "Kultur des Kampftrinkens" entstehe, sagte sie.
Mehr als 4.000 bayerische Jugendliche mussten nach Zahlen der Ministerin im Jahr 2007 wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Ein Jahr zuvor waren es noch rund tausend weniger. Die jüngste bayerische Alkoholleiche sei gerade mal zehn Jahre alt gewesen, sagte Haderthauer. Sie forderte die Jugendämter auf, den Eltern jedes gemeldeten Jugendlichen Hausbesuche abzustatten und, falls erforderlich, Hilfsangebote zu unterbreiten.
Gegen Eltern, die sich uneinsichtig zeigten, müssten "repressive Maßnahmen" ergriffen werden, forderte Haderthauer. Dazu gehöre die Verhängung von Bußgeldern wegen Vernachlässigung des elterlichen Sorgerechts. Das Komasaufen Jugendlicher habe eine Stufe erreicht, die mit den Geselligkeitsritualen früherer Zeiten nicht mehr vergleichbar sei. Alkoholmissbrauch werde von immer Jüngeren zielgerichtet bis zur Besinnungslosigkeit getrieben.
Selbst in einem kleinen Krankenhaus wie dem in Altdorf vergeht nach Aussage der Ärzte kein Wochenende ohne volltrunkene Jugendliche. Die Reaktion der Eltern reiche von Bestürzung über Hilflosigkeit bis zu Gleichgültigkeit.
Haderthauer unterstützte mit ihrem Besuch in Altdorf die noch bis 22. Februar dauernde Frühjahrssammlung der bayerischen Diakonie, die der Suchtkrankenhilfe zugutekommen soll. Vergangenes Jahr kamen dabei rund eine Million Euro Spenden zusammen.
Internet: www.diakonie-bayern.de.


