Islamunterricht soll in Bayern Schulfach werden
Islamunterricht soll in Bayern Schulfach werden
Das bayerische Kabinett will an diesem Dienstag ein Konzept zur Integration ausländischer Jugendlicher vorstellen, das Islamunterricht an bayerischen Schulen vorsieht. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) gab gemeinsam mit dem neuen Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer bekannt, dass mit einem fünfjährigen Modellversuch Islamunterricht in den Städten München und Erlangen im nächsten Schuljahr begonnen werden soll.
Der Staat müsse Standards setzen und mit dem Projekt den interreligiösen Dialog verstärken, sagte Spaenle. Bei 350.000 Muslimen in Bayern und geschätzten 100.000 Schülern sei ein Islamunterricht unabdingbar. Vom kommenden Schuljahr an soll das Wahlfach Islamunterricht die sogenannte islamische Unterweisung ersetzen, die an etlichen bayerischen Schulen bereits existiert. Für den Integrationsbeauftragten Neumeyer ist das bisher praktizierte Erlanger Modell eine gute Grundlage für den Islamunterricht.
Der Lehrplan solle Themen wie muslimische Feste und Riten enthalten und sich nicht nur auf Religion beschränken. Bei Bedarf ist laut Spaenle an ein Angebot in allen Schularten gedacht. Demnächst solle sich in der Kultusbehörde ein "runder Tisch" mit Vertretern der muslimischen Glaubensrichtung bilden, um Detailfragen über den Lehrplan zu erörtern.
Spaenle räumte ein, dass es Probleme hinsichtlich der muslimischen Ansprechpartner gebe, da diese nicht als eine "verfasste Körperschaft" aufträten wie die Kirchen in Deutschland. Auch mangele es an geeignetem Lehrpersonal. Gedacht ist an türkische Pädagogen, die in deutscher Sprache unterrichten, um eine sprachliche Ungleichbehandlung der muslimischen Nicht-Türken zu vermeiden.
Nach epd-Informationen sind derzeit gut zehn Pädagogen mit dieser Aufgabe betraut. In Ministeriumskreisen geht man davon aus, dass es viel mehr werden müssen, um den Modellversuch starten zu können.


