Ackermann: Gewinn darf nicht verteufelt werden
Ackermann: Gewinn darf nicht verteufelt werden
Tutzinger Akademietagung um Ethik und Wachstum
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verteidigt unternehmerisches Gewinnstreben. "Gewinn ist ein tragendes Element in der Wirtschaft", sagte Ackermann in Tutzing. Gewinn dürfe nicht verteufelt werden.
Ackermann sprach am Schlusstag der Frühjahrstagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing. Thema der Tagung war die Frage "Schafft Ethik Wachstum?". In ihren Vorträgen warnten unter anderen der CDU-Politiker Friedrich Merz und Jürgen Stark, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) davor, dass sich der Staat bei den aktuellen Eingriffen in die Wirtschaft übernehmen könnte.
Ackermann sagte, um Ansprüche von Kunden, Mitarbeitern, Aktionären sowie des Staates und der Gesellschaft zu erfüllen, müsse die Deutsche Bank Gewinne erzielen. Zwischen den Interessen gelte es, einen Ausgleich zu ereichen, sagte der Deutsche-Bank-Chef in seinem Vortrag mit dem Titel "Profit und Moral - ein Zielkonflikt?".
Ackermann argumentierte, würde die Bank Kredite ohne Verzinsung vergeben, wären die Kunden zufrieden. Doch könnte man den Mitarbeitern keinen Lohn mehr zahlen, Aktionäre würden keine Rendite auf ihr Kapital bekommen, der Staat keine Steuern einnehmen. Gewinn sei eine "ganz zentrale Lösung", um alle Ansprüche zu befriedigen.
Nach den Worten Ackermanns stellt sich die Frage nach Ethik und Moral nicht beim Gewinn an sich, wohl aber bei der Art der Gewinnerzielung. Der Vorstandschef verwies in diesem Zusammenhang auf Regeln gegen Korruption und Gesetzesübertretungen bei der Deutschen Bank sowie Vorgaben zur Berücksichtigung ökologischer Auswirkungen des Engagements der Bank. "Da kennen wir keinen Spielraum", sagte er.
Kritik an der Höhe von Managergehältern und Bonuszahlungen wies Ackermann im Grundsatz zurück. Um Topmanager gebe es einen "massiven Wettbewerb". "Sie können nicht im Geschäft sein, wenn sie nicht die Besten haben", sagte er. Als "gute Entwicklung" bezeichnete Ackermann indes, dass zu den Boni auch zunehmend Malusregelungen hinzukommen.
"Es ist klar, dass die Banken viele Fehler gemacht haben", sagte Ackermann zu den Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Als Konsequenz müsse über eine "Vielzahl von Lehren" gesprochen werden. Unter anderem nannte er eine schärfere Finanzaufsicht und stärker interne Kontrollen in den Banken.
Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio empfahl zum Tagungsabschluss als Vorbild für eine internationale Finanzordnung Regelungen aus Europa. Der Ordnungsrahmen sollte so minimal wie möglich und effektiv wie nötig sein. Für besonders dringlich hält Di Fabio eine schärfere Aufsicht über Ratingagenturen.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz hatte in Tutzing vor einem "sprunghaften Anstieg" der Arbeitslosigkeit in Deutschland infolge der Weltwirtschaftskrise gewarnt. "1,6 Millionen Kurzarbeiter von heute sind die Arbeitslosen von morgen", sagte er. Der ehemalige Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag forderte, neue Technologien zu fördern, die Sozialabgaben niedrig zu halten und das Bildungssystem zu stärken.
Merz kritisierte die Staatsverschuldung infolge der Wirtschaftskrise. "Wir sind im Augenblick dabei, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben", wenn sich die öffentliche Hand verschulde, um die Folgen expansiver Kreditvergaben an Privatleute und Unternehmen zu bekämpfe.
Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), verwies auf die Gefahr politischer Überreaktionen. Der Staat müsse "Teil der Lösung" sein, aber er dürfe sich nicht übernehmen, sagte er. Wenn der Staat nach den Eingriffen in den Bankensektor zu lange auf dem Markt engagiert bleibe, bestehe die Gefahr, dass sich die Markteilnehmer an die Absicherung gewöhnen und erneut zu hohe Risiken eingehen.
Die Mittelständlerin Sabine Herold äußerte scharfe Kritik an staatlichem Engagement bei Unternehmen. Unternehmerische Fehlentscheidungen dürften nicht staatlich unterstützt werden. Ausdrücklich warnte die geschäftsführende Gesellschafterin der DELO Industrie Klebstoffe aus dem bayerischen Windach vor staatlichen Hilfen für Opel. Der Automobilhersteller habe es vom November bis März nicht geschafft, einen Businessplan vorzulegen, kritisierte die Chefin von 230 Mitarbeitern. Staatliche Hilfe sei angesichts dessen unverantwortlich.


