"Basic-Instinct"-Regisseur: "Jesus ist nicht Gottes Sohn"
"Basic-Instinct"-Regisseur: "Jesus ist nicht Gottes Sohn"
Paul Verhoeven stellt seine Jesus-Biografie in Deutschland vor
Von Christiane Ried
Der niederländische Hollywood-Regisseur Paul Verhoeven ist international bekanntgeworden vor allem durch seinen Erotik-Thriller "Basic Instinct" (1992) mit Sharon Stone und Michael Douglas. Auch mit Gewalt und Blut geht Verhoeven in vielen seiner Filme nicht gerade zimperlich um. Da lässt es aufhorchen, wenn ausgerechnet so jemand ein Buch veröffentlicht, das so gar nicht ins typisch verhoevensche Bild zu passen scheint: "Jesus: Die Geschichte eines Menschen".
Er wolle endlich mit der "kirchlichen Verklärung und Vergöttlichung Jesu" aufräumen, sagte Verhoeven dem epd in München bei der Präsentation seiner Jesus-Biografie, die seit Dienstag in deutscher Sprache im Handel erhältlich ist. Der historische Jesus solle ans Tageslicht kommen, so der Regisseur über seine Beweggründe, ein derartiges Buch zu schreiben.
Verhoeven präsentiert provozierende, aber keine neuen Thesen und Vermutungen zur bekanntesten Gestalt der Weltgeschichte:
"Jesus ist nicht der Sohn Gottes", "Jesu Empfängnis war möglicherweise das Ergebnis einer Vergewaltigung" und "Jesus hat einfach Johannes den Täufer kopiert." Er glaube nur an den Menschen Jesus, an Wunder dagegen nicht und bringt damit einen weit verbreiteten säkular-modernen Skeptizismus zum Ausdruck: "Sohn Gottes, wie kann das sein? Einfach unmöglich."
Ein bekennender Christ scheint der 1938 in Amsterdam geborene Filmemacher also nicht gerade zu sein. Er vertraue auf die Wissenschaft, sagt der studierte Mathematiker und Physiker Verhoeven. Dementsprechend wissenschaftlich ist daher seine Jesus-Biografie geraten. Der 70-Jährige trägt die Meinungen vieler Theologen zusammen und untersucht mit überraschend viel Fachwissen historische und geografische Begebenheiten zu Zeiten Jesu. Seine profunden theologischen Kenntnisse überraschen nicht. Seit 20 Jahren ist er Mitglied im US-amerikanischen "Jesus Seminar", einer Vereinigung von rund 70 Theologen, die nach seinen Worten untersuchen, was "Jesus wirklich gesagt und getan hat." Das "Jesus Seminar" steht für den ultra-liberalen Flügel der amerikanischen Theologie.
Viele seiner Theorien ließen sich schlicht und ergreifend in der Bibel nachlesen, behauptet Verhoeven, der die Bibel genau studiert und für sich interpretiert hat. Beispielsweise, dass Johannes der Täufer über Jesus verärgert gewesen sei, als dieser anfing, Menschen zu taufen und ihm damit seine Arbeit wegnahm. "Ich erfinde doch nichts", verteidigt sich der Niederländer. "Wenn die Kirche sich weigert, die Evangelien richtig zu lesen was ist das für eine Kirche?", hagelt es Kritik an den christlichen Kirchen.
"Sie erzählen nur ihre Wahrheit mit dem Ziel, Jesus heiliger zu machen." Im ältesten Evangelium, dem Markusevangelium, käme beispielsweise nie vor, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger wurde. Die Bibel sieht Verhoeven trotzdem positiv: "Jesus ist ein sehr wichtiger ethischer Lehrer." Leider konzentriere sich die Kirche eher auf die Vergöttlichung als auf das, was Jesus eigentlich gesagt hat.
Kritik vonseiten der Kirche befürchtet Verhoeven nicht. Schulterzuckend meint er nur, dass es bei der Buchpräsentation in Holland vor sechs Monaten keine Reaktion von kirchlicher Seite gegeben habe. Wissenschaftler hätten sich intensiv mit dem Buch auseinandergesetzt, und es habe eine lebhafte Debatte gegeben. Ob er Kritik in Deutschland erwarte? Deshalb habe er das Buch nicht geschrieben, sagt er nur knapp.
Einen Film über den historischen Jesus, wie er ihn eigentlich vor über 20 Jahren zu planen begann, will Verhoeven nicht mehr machen. "Das Buch ist das beste, was ich machen konnte, um diesem komplexen Thema gerecht zu werden", sagt der Regisseur. Er ist zugleich überzeugt, dass er ein neues Jesus-Bild entworfen habe und dass Jesus bestimmt ein Gegner des strenggläubigen Ex-US-Präsidenten George Bush gewesen wäre. "Von Jesus könnten wir lernen, miteinander zu reden und nicht andere als ´Achse des Bösen` zu bezeichnen."
Literaturhinweis: Paul Verhoeven: "Jesus. Die Geschichte eines Menschen", Pendo Verlag München, 2009, 320 Seiten, Preis: 19,95 Euro


