Bayerische Diakonie fordert Armutsbekämpfung
Bayerische Diakonie fordert Armutsbekämpfung
Lage der Alleinerziehenden und Alten verschlechtert sich
Die Bekämpfung der Armut muss nach Ansicht der bayerischen Diakonie zur Hauptaufgabe der Staatsregierung werden. Auch in Bayern werde sich die finanzielle Lage von Alleinerziehenden, Familien mit mehreren Kindern und alten Menschen weiter verschlechtern, sagte Diakoniepräsident Ludwig Markert bei einer Fachtagung in Nürnberg voraus.
Der erst im Februar vorgelegte Sozialbericht der Staatsregierung, der dem Freistaat den deutschen Spitzenplatz beim Wirtschaftswachstum bescheinigt, sei von der Wirklichkeit überholt. Bereits in den vergangenen Jahren habe die Wirtschaftsentwicklung nicht zu mehr sozialer Gerechtigkeit, sondern zu einem "alarmierenden Strukturwandel" geführt. Zugenommen hätten fast ausschließlich Arbeitsverhältnisse, die nicht zur Vermeidung von Armut führten, wie Teilzeitbeschäftigung, Mini-Jobs, Praktika und Leiharbeit. Allein die Zahl der Mini-Jobs sei zwischen 2000 und 2007 in Bayern um 76 Prozent gestiegen, mit allen negativen Folgen für die künftige Alterssicherung.
Der Diakoniepräsident kritisierte die Forderung des Sozialberichts, das Angebot an niedrig entlohnten Tätigkeiten noch mehr auszuweiten. Damit werde gesellschaftliche Ausgrenzung und Armut verschärft. Als "tickende Zeitbombe" bezeichnete er die erneut steigende Arbeitslosigkeit: Wer ein Jahr lang Hartz IV beziehe, komme auf einen monatlichen Rentenanspruch von 4,26 Euro. Das führe geradewegs in Altersarmut.
Ein besonders hohes Armutsrisiko konstatiert die Diakonie bei Menschen mit Migrationshintergrund. Während rund elf Prozent der bayerischen Bevölkerung als relativ arm gelte, seien es bei den Migranten rund 25 Prozent. Die Ursache liege in der mangelnden beruflichen Qualifilkation und den geringen Beschäftigungsmöglichkeiten. Markert rief die Staatsregierung auf, bei der Integrationspolitik nicht nur an die jungen Migranten zu denken. Auch die Erwachsenen bräuchten spezielle Arbeitsmarktprogramme.
Als Folge der Wirtschaftskrise rechnet die bayerische Diakonie mit steigender Nachfrage nach ihren sozialen Dienstleistungen bei gleichzeitig engerem wirtschaftlichen Spielraum. "Wir fürchten, dass es im nächsten bayerischen Doppelhaushalt massive Einrüche im Sozialbereich geben wird", sagte Markert.


