Evangelisches Kirchentreffen in Würzburg
Evangelisches Kirchentreffen in Würzburg
Bischof Friedrich wirbt für Hilfen für Familien
Mit einem Gottesdienst hat am Donnerstagabend in Würzburg die gemeinsame Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Kirchenparlamente der lutherischen und unierten Kirchen begonnen. Dabei wurden die Mitglieder der Synode der EKD, der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) und der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) verpflichtet. Die Bischöfe Wolfgang Huber, Ulrich Fischer und Johannes Friedrich nahmen die Verpflichtung der Kirchenparlamentarier vor, darunter auch bekannte Politiker.
Generalsekretär Ishmael Noko vom Lutherischen Weltbund verwies in seiner Predigt auf den Unterschied zwischen den Kirchenversammlungen und weltlichen Parlamenten wie dem Bundestag. Mitglieder von Synoden würden nicht nach Parteizugehörigkeit gewählt, und somit gebe es auch keine Oppositionspartei, sagte der Theologe aus Simbabwe. Die Kirche gründe sich auf Gottes Wort. Als aktuelle Herausforderungen, denen sich Kirche stellen müsse, nannte der Generalsekretär innerkirchliche Fragen, ökumenische Beziehungen, soziale Probleme sowie die Wirtschafts- und Finanzkrise, die besonders die Zukunftsperspektiven von jungen und älteren Menschen gefährde.
Zuvor hatte der Leitende Bischof der lutherischen Kirchen, Johannes Friedrich, mehr Verständnis für Familien gefordert. Die Wirklichkeit vieler Familien sei von der Spannung zwischen Berufstätigkeit der Eltern und Fürsorge für Kinder geprägt, sagte der bayerische Landesbischof vor den Mitgliedern der VELKD-Generalsynode. Hilfen müssten die Familien in die Lage versetzen, eigene Regelungen zu finden.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche ist ein Zusammenschluss von acht lutherischen Landeskirchen innerhalb der EKD. Sie vertritt rund zehn Millionen der insgesamt 25 Millionen evangelischen Christen. Ihr gehören die Landeskirchen von Bayern, Braunschweig, Hannover, Mecklenburg, Nordelbien, Sachsen, Schaumburg-Lippe und Mitteldeutschland an.
Zu den Aufgaben der VELKD sagte der Leitende Bischof Friedrich, dass sie sich auch künftig der Profilierung des Gottesdienstes und der Unterstützung gemeindepädagogischer Arbeit sowie der theologischen Fortbildung der Pfarrerschaft widmen wolle. Die lutherische Denk- und Sichtweise sei Muttersprache und Identitätsraum, ergänzte er. Es gehe nicht um Nostalgie oder Abgrenzungsbedürfnis. Das Zusammenrücken der evangelischen Kirchenparlamente biete die Chance, diese Prägung konstruktiv zu verbinden.
Erstmals tagt die EKD-Synode zusammen mit den Leitungsgremien der konfessionellen Zusammenschlüsse. Von den 126 EKD-Synodalen wurden 106 von den 22 Landeskirchen bestimmt. Unter den vom Rat berufenen 20 Synodenmitgliedern befinden sich traditionell auch Vertreter aus der Politik, darunter Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), der Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, Hermann Gröhe (CDU), die Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese (SPD) und Otto Fricke (FDP). Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und die Ex-Bundesministerin Irmgard Schwaetzer (FDP) sind von ihren Landeskirchen entsandt.
Bei dem Kirchentreffen werden bis Sonntag erste Weichen für die Neubesetzung kirchlicher Leitungsgremien gestellt. Mit der verbundenen Tagung der drei Kirchenparlamente wird die Strukturreform umgesetzt, die eine Bündelung der Kräfte im deutschen Protestantismus zum Ziel hat.


