Knobloch: "Vaterlandsliebe darf nicht zur Domäne der Rechtsextremisten werden"

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Knobloch: "Vaterlandsliebe darf nicht zur Domäne der Rechtsextremisten werden"

Zentralrats-Präsidentin wirbt für aufgeklärten Patriotismus

Für einen "aufgeklärten Patriotismus in Deutschland" hat Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, geworben. Bei einem Gespräch im Evangelischen Bildungszentrum Alexandersbad sagte sie, ein solcher Patriotismus, der das Gedenken an die Schoah angemessen mit einbeziehe, sei mehr denn je gefragt. "Vaterlandsliebe darf nicht zur Domäne der Rechtsextremisten werden."

Die Bundesrepublik hat nach Knoblochs Worten ein negatives Image absolut nicht verdient. Alle Bürger könnten auf ihr Land stolz sein, dessen politisches System sich durch Effizienz und Menschlichkeit auszeichne. Die Demokratie werde allerdings von Rechtsextremisten, die fast täglich in den Städten marschierten, für ihre menschenverachtenden Zwecke missbraucht. Mit Sorge beobachtet die Präsidentin, dass inzwischen in Ostdeutschland aus Protestwählern der NPD Stammwähler geworden seien.

Mit Nachdruck forderte die Repräsentantin von 120 000 Juden, dass unverzüglich ein Verbotsverfahren für die NPD eingeleitet werde, sobald Aussicht auf Erfolg bestehe. Es sei unerträglich, dass die rechtsextreme Partei ihren Wahlkampf aus Steuermitteln bestreiten könne: "Wir finanzieren die NPD und bekämpfen sie zugleich." Beklagt wurde von Knobloch auch die fehlende politische Bildung in den Gymnasien. In der Oberstufe müsse ein entsprechendes Schulfach eingerichtet werden, in dem Politik- und Demokratieverständnis beleuchtet werden.

Zum christlich-jüdischen Dialog merkte Knobloch an, das Verhältnis des Judentums zur evangelischen Kirche stehe auf einem soliden, glücklichen Fundament: "Auf die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche können wir bauen." Leider sei der Dialog mit der katholischen Kirche wegen deren Annäherung an die antisemitische Piusbruderschaft sowie die Aufforderung zur Judenmission belastet. Letztere werde als diskriminierend und als Geringschätzung der jüdischen Religion empfunden. Erfreulicherweise habe das Zentralkomitee einen anderen Weg eingeschlagen und sich von der Judenmission distanziert. Schlüssel zu einem erfolgreichen christlich-jüdischen Dialog ist Knobloch zufolge der gegenseitige Respekt und die Begegnung als gleichwertige Partner.

(Artikel vom 05.07.2009)