Evangelische Förderschulen fühlen sich vernachlässigt

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Evangelische Förderschulen fühlen sich vernachlässigt

Stiefkinder der bayerischen Schulpolitik

Die evangelischen Förderschulen in Bayern sehen sich als Stiefkinder der Schulpolitik. Kurz vor Schuljahresbeginn wüssten die Schulleiter noch immer nicht, wie viele Lehrer ihnen vom Staat zugewiesen würden und für wie viele Unterrichtsstunden das Budget reiche, kritisierte das Diakonische Werk Bayern (Nürnberg). "Es ist seit Jahren immer das gleiche Drama", sagte der Vorsitzende der Evangelischen Schulstiftung in Bayern (Nürnberg), Erwin Meister.

Nahezu die Hälfte der Förderschulen zur Erziehungshilfe in Bayern befinden sich in kirchlicher Trägerschaft. Sie sind häufig die letzte Chance für problematische Jugendliche, die in der Regelschule gescheitert sind. Obwohl die kirchlichen Schulen damit staatliche Bildungsaufgaben übernehmen, sind sie laut Diakonischem Werk gegenüber den staatlichen Förderschulen benachteiligt.

Die beamteten Lehrkräfte könnten den Kirchenschulen ohne Rücksprache und ohne Rücksicht auf ihren Bedarf vom Kultusministerium abgezogen werden. "Zurück bleiben ein zerrissenes Kollegium, eine Schulleitung ohne Planungsgrundlage und Kinder mit verlorengegangener Bindung an den Lehrer", beklagte die Diakonie. Nach ihren Zahlen entfallen in Bayern statistisch 7,7 Förderschüler auf einen Lehrer, in Baden-Württemberg sind es nur 4,9.

"Genau die Kinder, die besondere Aufmerksamkeit brauchen, drohen verloren zu gehen", sagte der bayerische Diakoniepräsident Ludwig Markert. Als Beispiel für die Benachteiligung nannte er die Schule für Erziehungshilfe in Altdorf bei Nürnberg. Weil hier Lehrkräfte für staatliche Schulen abgezogen wurden, müsse der Träger, die Rummelsberger Diakonie, vermehrt Lehrkräfte auf privater Basis einstellen. Der dafür vom Kultusministerium gewährte Kostenersatz liege jedoch deutlich unter den tatsächlichen Kosten. Die Folge: Im vergangenen Jahr habe die Rummelsberger Diakonie den Schulbetrieb mit mehr als 300.000 Euro aus Eigenmitteln am Leben halten müssen. Ähnlich sei die Situation auch an der Samuel-Heinicke-Schule in München.

(Artikel vom 14.09.2009)