Hof setzt DDR-Flüchtlingszügen ein Denkmal

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Hof setzt DDR-Flüchtlingszügen ein Denkmal

"Zug der Freiheit" fährt am 1. Oktober von Prag nach Hof

Am Hauptbahnhof im oberfränkischen Hof soll künftig ein Denkmal an die Züge erinnern, mit denen vor 20 Jahren die DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft in die Bundesrepublik Deutschland gebracht wurden. Die dreiteilige Plastik wird am 1. Oktober bei einer Gedenkfeier auf dem Hofer Bahnhofsgelände enthüllt, wie die Stadt Hof am Mittwochabend mitteilte.

Das Denkmal besteht aus drei symbolischen Mauer-Elementen aus Beton. In jedes der 2,60 Meter hohen und 1,10 Meter breiten Teile ist in Sichthöhe eine sogenannte Lithophanie eingearbeitet: Diese transparenten reliefartigen Illustrationen nach Dokumentarfotos zeigen beispielsweise den Empfang der DDR-Flüchtlinge auf dem Hofer Bahnhof. Mit dem Entwurf für das Denkmal hatte der 22-jährige Florian Rothbauer aus Landshut einen Ideenwettbewerb der Fachschule für Produktdesign in Selb zum Thema "20 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall" gewonnen.

Zur Erinnerung an die DDR-Botschaftsflüchtlinge fährt am 1. Oktober ein Sonderzug auf der historischen Route der Flüchtlingszüge von Prag über Dresden, Freiberg, Chemnitz und Plauen nach Hof. Der "Zug der Freiheit" wird nach Angaben der Stadt Hof um 19 Uhr auf dem Bahnhof erwartet. Bei der Einfahrt in den Bahnhof soll der Zug eine Wasserwand "durchbrechen", die von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk als symbolische Grenzmauer geschaffen wird, wie es weiter hieß. Zum Programm gehören auch Gesprächsrunden mit Zeitzeugen und Mitarbeitenden der Hilfsorganisationen, die sich damals um die Passagiere der Flüchtlingszüge gekümmert hatten.

Die einzelnen Waggons des Sonderzuges dienen den Angaben zufolge als Kunsträume, in denen Ausstellungen gezeigt werden und in denen sich Zeitzeugen in Interviews präsentieren. Wissenschaftler und Jugendliche aus den ehemaligen Staaten des Ostblocks zeigen spezielle Ereignisse der Wendezeit in ihren Ländern. Ergänzt wird das kulturelle Angebot um zukunftsgerichtete Planspiele, die Europas weiteren Werdegang skizzieren. An den Bahnhöfen finden Festivitäten für Bürger statt.

Am 1. Oktober 1989 um 6.14 Uhr war der erste Sonderzug mit 1.210 sogenannten "Botschaftsflüchtlingen" an Bord in Hof eingetroffen. In den Wochen zuvor waren mehrere tausend DDR-Bürger auf das Gelände der bundesdeutschen Botschaft in Prag geflüchtet, um ihre Ausreise in den Westen zu erreichen. Nach schwierigen diplomatischen Verhandlungen gab die Regierung der DDR die Menschen frei.

Am 30. September 1989 hatte der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) die Flüchtlinge in der Prager Botschaft darüber informiert, dass ihnen die SED-Führung ihre Ausreise mit Reichsbahnzügen über das DDR-Territorium in die Bundesrepublik zugesagt hat. In den ersten Oktobertagen 1989 wurde Hof für mehr als 8.000 DDR-Bürger die erste Station im Westen.

Internet: www.kulturaktiv.org.

(Artikel vom 23.09.2009)