Ethik-Beratung in der Altenhilfe
Ethik-Beratung in der Altenhilfe
Innere Mission München richtet als erster Träger in Bayern Beirat ein
Von Heinz Brockert
"In der Altenhilfe sind jeden Tag schwierige Entscheidungen zu treffen", sagt der Pfarrer und Pastoralpsychologe Frank Kittelberger von der Fachstelle Hospizarbeit und Palliativkultur des evangelischen Sozialwerkes Inneren Mission München (IMM). "Schränken wir beispielsweise die Freiheit einer Bewohnerin ein, die unruhig ist und versucht, aus dem Heim in ihre alte Wohnung zu laufen? Ernähren wir verwirrte Patienten gegen ihren erklärten Willen?"
Solche Fragen werfen ethische Probleme auf. Und die Innere Mission will sie jetzt als erster Träger von Altenhilfe-Einrichtungen in Bayern mit Hilfe eines Ethik-Beirates beantworten. Ihm gehören Leitende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der IMM-Altenhilfe, aber auch externe Fachkräfte an. Sie werden für drei Jahre berufen. Am Donnerstag wurden die Mitglieder des Ethik-Beirates mit einem Gottesdienst in München eingeführt.
Der Ethik-Beirat für Seniorenheime wird sich mindestens zwei Mal im Jahr treffen, wie es heißt. Er soll Fallgeschichten unter ethischen Gesichtspunkten exemplarisch bearbeiten, ethische Empfehlungen geben und das Personal der Alteneinrichtungen in ethischen Fragen fortbilden. "Es geht um eine ethische Bewusstseinsbildung in allen Bereichen unserer Altershilfe", sagt Kittelberger.
Er hat das Projekt mit dem Pastoraltheologen Stefan Dinges aus Wien, der mittlerweile auch in Deutschland ein gesuchter Berater und Trainer für ethische Fragen in Kliniken und Altenheimen ist, realisiert. Pflegekräfte aus den sieben Altenheimen der Inneren Mission in der Region München wurden einbezogen.
Ethik-Beratung dürfe den Helfern nicht "übergestülpt" werden, sondern "sie muss auf ihre konkreten Erfahrungen aufbauen und in ihrer konkreten Situation erfolgen", betont Kittelberger. Mittelfristig sei zu hoffen, dass "Ethik-Beratung Teil der Kultur des Helfens wird."
Die für München und Oberbayern zuständige Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler unterstreicht, dass angesichts der Diskussion um die Sterbehilfe "regelmäßige Gespräche über ethische Standards in keiner Altenpflege-Einrichtung fehlen dürfen." Man müsse den Mitarbeitern in der Altenhilfe Mut machen, kritische Situationen zu erkennen und sie zu benennen. "Dann werden Prozesse entwickelt, die von der klassischen Fallbesprechung bis zur ethischen Runde reichen können."


