"Atemlos hörte das Kirchenvolk ihm zu"

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

"Atemlos hörte das Kirchenvolk ihm zu"

Vom Todeskandidaten zum Bischof - Vor 525 Jahren wurde Paul Speratus geboren - (Termin: 13. Dezember)

Von Hans-Dieter Frauer

Sein Lebensweg führte Paul Speratus (1484-1551) vom Südwesten in den äußersten Nordosten des damaligen Deutschen Reiches. Dabei wandelte sich der katholische Priester und Domprediger von Würzburg zum evangelischen Reformator des späteren Preußen und zum Hofprediger in Königsberg, später wurde er Bischof. Bekannt geworden ist Speratus durch das Kirchenlied "Es ist das Heil uns kommen her", das er in der Todeszelle im mährischen Iglau dichtete.

Es wurde vielerorts zum "Sturmlied der Reformation". In ihm sei das reformatorische Bekenntnis verdichtet, urteilte Martin Luther. Vor 525 Jahren, am 13. Dezember 1484, kam Speratus bei Ellwangen im heutigen Württemberg zur Welt.

Paul Speratus hielt 1521 die erste und bis heute einzige evangelische Predigt im Wiener Stephansdom. In ihr verteidigte er die Priesterehe und verwarf die Mönchsgelübde. "Atemlos hörte ihm das Kirchenvolk zu, während die Theologen mit den Zähnen knirschten", heißt es einem Bericht. Die Predigt hatte Folgen: Der aufmüpfige Speratus wurde bereits acht Tage später exkommuniziert, am 20. Januar 1521.

Der Doktor der Rechtswissenschaft und Philosophie wurde nach der Priesterweihe zunächst Prediger und Notar in Salzburg. Wegen seiner Dichtkunst wurde er gar mit dem Pfalzgrafentitel geehrt. Dann heiratete der Priester Speratus - eheähnliche Verbindungen von Geistlichen waren am Vorabend der Reformation nicht selten. Doch Speratus musste Salzburg verlassen. 1520 wurde er Domprediger in Würzburg. Dort wandte er sich der Lehre Martin Luthers zu und musste erneut fliehen.

Auf dem Weg nach Budapest, wo er sich eine neue Anstellung erhoffte, hielt er seine berühmt gewordene Predigt im Stephansdom. Im mährischen Iglau (heute Tschechien), wo er anschließend im Sinne der Reformation predigte, wurde Speratus verhaftet und 1523 zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. In seiner Zelle verfasste er mehrere Briefe, mit denen er seine nun verwaiste Gemeinde tröstete. Hier entstand im Angesicht des Todes auch sein bekanntestes Lied "Es ist das Heil uns kommen her".

Einflussreiche Gönner erreichten, dass Speratus freigelassen wurde, er musste aber Böhmen und Mähren verlassen und kam nach Wittenberg zu Martin Luther. Dem Reformator half er bei Übersetzungen und gab mit ihm 1524 das erste evangelische Gesangbuch heraus. Es enthält neben vier Liedern Luthers drei von Speratus.

In Wittenberg begegnete Speratus auch Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Ansbach vom Deutschritterorden, der auf Empfehlung Luthers sein Ordensland in ein weltliches Herzogtum umwandelte und es reformierte. Er berief Speratus zum Hofprediger in Königsberg. 1531 wurde er erster evangelischer Bischof von Pomesanien, das sich damals von Marienwerder an der Nogat bis nach Lyck in Masuren ausdehnte.

In Marienwerder, dem heutigen Kwidzyn, wo er seinen Bischofssitz hatte, ist Speratus am 12. August 1551 gestorben. In der Domkirche wurde er bestattet.

"Es ist das Heil uns kommen her" ist als einziges Lied von Speratus ins evangelische Kirchengesangbuch aufgenommen worden. In ihm wird die Rechtfertigung allein aus Glaube und allein aus Gnade ebenso anschaulich gemacht wie das Verhältnis von Gesetz und Evangelium. Das leicht auswendig zu lernende Lied hat der Reformation in Städten wie Heidelberg, Waiblingen und Magdeburg den Boden bereitet.

(Artikel vom 10.12.2009)