Afghanistan-Debatte hält an

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Afghanistan-Debatte hält an

EKD erfreut über "Wort der Solidarität" von katholischer Seite - Kritik von Historiker Wolffsohn - (Sperrfrist für vierten Absatz, Aussagen Bischof Friedrichs: Montag, 18. Januar, 1900)

Die Debatte um die kritischen Äußerungen von Bischöfin Margot Käßmann zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr bekommt auch gut zwei Wochen nach ihrem Beginn neue Nahrung. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeigte sich am Montag erfreut über ein "Wort der Solidarität" durch den Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Dagegen kritisierte der Münchner Historiker Michael Wolffsohn Aussagen Käßmanns zum Zweiten Weltkrieg.

Wolffsohn stößt sich an Interview-Äußerungen Käßmann in der "Berliner Zeitung". Zu Weihnachten hatte die hannoversche Landesbischöfin betont: "Es gibt keinen gerechten Krieg." Käßmann kritisierte, das es in der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs vor dem militärischen Eingreifen keine Strategien der Alliierten gegen Hitler gegeben habe: "Warum wurde die Opposition in Deutschland nicht gestärkt?"

Der Professor an der Bundeswehr-Hochschule in München widersprach: "Das Christentum kennt sehr wohl gerechte Kriege." Wolffsohn sagte der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe). "Wenn für Frau Käßmann der Krieg gegen den Millionen-Mörder Hitler nicht gerecht war, hat sie jeglichen Maßstab verloren, gerade den christlichen."

Dagegen verteidigte der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich die Äußerungen Käßmanns. Sie habe zu recht angemahnt, zur Herstellung von Recht und Frieden mehr in gewaltlose Bereiche wie etwa in Bildung zu investieren. Die "Friedensmacht Kirche" sei dazu berufen, zu einem echten und gerechten Frieden zu mahnen, wohl wissend, dass jedes Friedensengagement sich der Konfrontation mit der "Realität des Bösen in der Welt" stellen müsse. Dabei könne keine noch so sorgfältige Güterabwägung vom Risiko des Schuldigwerdens befreien, sagte der Bischof am Montagabend in Nürnberg.

Käßmanns Stellvertreter an der EKD-Spitze, Präses Nikolaus Schneider, lobte einen Gastbeitrag Zollitschs in der "Frankfurter Rundschau" vom Samstag: "Das ist das erwartete Wort der Solidarität mit der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann", sagte Schneider der Zeitung (Montagsausgabe). Zollitsch hatte zuvor ohne direkten Bezug zu Käßmann eine neue Perspektive für das deutsche Engagement am Hindukusch gefordert. Angesichts der Lage in Afghanistan müsse eine "bittere Bilanz" gezogen werden. Eine einfache Lösung des Problems gebe es aber nicht, räumte er ein.

Unterdessen ging der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke auf Distanz zu den Aussagen Käßmanns. "In der Autorität unseres geistlichen Amtes können wir uns nicht in den tagespolitischen Kampf einmischen", sagte Jaschke den "Stuttgarter Nachrichten" (Montagsausgabe). Er schätze Bischöfin Käßmann als "Schwester in kirchlicher Verantwortung", so der katholische Theologe weiter: "Ich halte aber die Predigt nicht für den richtigen Ort, die von ihr genannten Inhalte anzusprechen."

"Kirche soll Kirche bleiben", fügte Jaschke in dem Zeitungsinterview hinzu. Natürlich müsse die Kirche mahnen, dass Frieden möglich und Krieg eine Kapitulation der Menschheit sei. "All das sind Äußerungen, die von der Kirche getroffen werden müssen. Im Konkreten wünsche ich mir aber Zurückhaltung", erklärte der Hamburger Weihbischof.

Bischöfin Käßmann hatte in Predigten und Interviews zum Jahreswechsel mehrfach den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan kritisiert und einen Plan für den Abzug der deutschen Soldaten gefordert. Der Krieg sei nach friedensethischen Maßstäben der evangelischen Kirche nicht zu rechtfertigen. Auf Kritik stieß insbesondere der Satz "Nichts ist gut in Afghanistan" aus Käßmann Neujahrspredigt.

(Artikel vom 18.01.2010)