Religion: Fluch oder Segen

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Religion: Fluch oder Segen

Bekannte Christen und Atheisten diskutierten über die Rolle der Religion

Eine kontroverse Diskussion unter dem Titel "Leben wir ohne Religion besser?" haben bekannte Gläubige und Atheisten in Bayreuth geführt. Zu den Gesprächspartnern bei einer Veranstaltung der Bayreuther Akademie für politisch-institutionelle Konfliktsimulation am Mittwochabend zählten auch der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick, die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) oder der überzeugte Atheist und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon.

Schmidt-Salomon forderte die Verabschiedung vom "kindlichen Backe-Backe-Kuchen-Mythos der Bibel". Nur die Philosophie sei dazu bereit zu erkennen, dass Ansichten über die Welt fehleranfällig seien. Dort wo Religion als absolut gültige Wahrheit propagiert werde, seien Meinungsfreiheit und Menschenrechte bedroht. Als Beispiel nannte er das Nachbarland Polen: Die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen sei Ausdruck der katholisch gefärbten Politik. Als zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts nannte er, die Kraft von Philosophie und Kunst zu nutzen.

Am radikalsten griff der als Hamburger Kirchenrebell bekanntgewordene Ex-Pastor Paul Schulz Religionen - insbesondere das Christentum - an. "Der Himmel ist eine göttliche Diktatur, das ewige Leben eine absolute Herrschaft von oben", sagte er. Um den negativen Einfluss von Religion zu beseitigen, müsse die Bildung in Kindertagesstätten und Schulen von ihrem Einfluss befreit werden. An das Publikum appellierte Schulz: "Lassen sie die ganze Spinnerei, die man ihnen über das ewige Leben erzählt hat und werden sie endlich vernünftig."

"Zu meinem Glauben gehört, dass Gott mich liebt ? das macht mich stark", betonte dagegen die Grünen-Politikerin Andrea Fischer. Diese Liebe empfinde sie als Geschenk und Verpflichtung zur Nächstenliebe. Politisch fühle sie sich dafür verantwortlich, dass kein verbrecherisches Handeln im Namen der Religion stattfinde. Eine Abschaffung der Religion sei keine Alternative: "Wollte man das ernsthaft durchsetzen, müsste man Mittel anwenden, die man denen zur Last legt, die sie im Namen der Religion missbraucht haben", sagte Fischer.

An der Debatte beteiligten sich auch Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime und Rabeya Müller vom Zentrum für islamische Frauenforschung Köln. Die Bayreuther Akademie für politisch-institutionelle Konfliktsimulation veranstaltet in regelmäßigen Abständen Podiumsdiskussionen zu gesellschaftspolitischen Themen.

(Artikel vom 28.01.2010)