Kirchentagspräsident Nagel neuer Ehrendoktor der Marburger Universität

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Kirchentagspräsident Nagel neuer Ehrendoktor der Marburger Universität

(Zusammenfassung)

Der Medizinprofessor und evangelische Präsident des diesjährigen Ökumenischen Kirchentages, Eckhard Nagel, ist neuer Ehrendoktor der Universität Marburg. Die Auszeichnung erhielt der 49-Jährige am Mittwoch vom Fachbereich Evangelische Theologie für sein umfangreiches Wirken in Wissenschaft, Politikberatung und Kirche. Mit Nagel werde eine Persönlichkeit geehrt, "die seit vielen Jahren an der komplizierten Nahtstelle zwischen Gesellschaft, Kirche und Theologie operiert", sagte der Marburger Sozialethiker Peter Dabrock in seiner Lobrede.

Nagel sei jemand, der von Gott zu sprechen wisse und dies laut, öffentlich und leidenschaftlich tue, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) in ihrem Grußwort. Er spreche darüber, was ihn trage, und könne Mut und Hoffnung machen. Ihm gehe es darum, als verantwortlich Handelnder den eigenen Glauben zu leben. Auch der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich lobte Nagels Engagement für die Kirche und den Kirchentag. Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde werde sein Wirken öffentlich gewürdigt, erklärte Friedrich in München.

Der Mediziner arbeitet als Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth, ist Chefarzt am Chirurgischen Zentrum sowie Leiter des Transplantationszentrums am Klinikum Augsburg. Nagel, der neben Medizin noch Philosophie und Geschichte studierte, ist außerdem Mitglied des Deutschen Ethikrates. 2005 war er Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Hannover.

Aus theologischem Impuls heraus engagiere sich Nagel für eine Medizin, die den Menschen nicht bloß als "Ersatzteillager" oder den Kranken nur als "Vertragspartner" begreife, den es "sachgemäß und höflich zu behandeln" gelte, sagte Dabrock weiter. "Vielmehr geht es ihm um die Hinwendung zum leidenden Menschen, der als Mitmensch zu begreifen ist." In seinen Beiträgen zur Transplantationsmedizin, zum Gesundheitssystem oder zu Reformen der Sozialsysteme frage er immer nach der "Menschenverträglichkeit".

Nagel warb in seiner Dankrede um Gemeinschaft zwischen den christlichen Kirchen. Der Zweite Ökumenische Kirchentag in München im Mai wolle Christen aller Konfessionen und Menschen aller Religionen an einen Tisch bringen. Mit der Wahl des Tisches als Hoffnungszeichen für die Ökumene werde es möglich, "sich klar und unmissverständlich von all jenen Bestrebungen abzugrenzen, die auf ein gemeinsames Abendmahl zu diesem Zeitpunkt setzen". Gleichzeitig müssten Protestanten "aber auch die Kirchen, die das Abendmahl in ihrem eigenen Verständnis als etwas Ausschließendes betrachten, fragen, warum sie nicht an die Macht der Versöhnung durch Eucharistie und Abendmahl glauben wollen", sagte Nagel.

Der Mediziner forderte, dass in der Ökumene "die christliche Glaubwürdigkeit erlebbar" werde. Sonst seien Christen nicht glaubwürdig, wenn sie sich gegen inakzeptable Armut, Bedrohung durch den Klimawandel und "die Resignation eines falschverstandenen Individualismus" wendeten. Der Ruf nach Gerechtigkeit, auch für nachfolgende Generationen bei den aktuellen Haushaltsplänen, müsse zum Tagwerk jedes Christen werden.

(Artikel vom 27.01.2010)